Atemkurs

Holotropes Atmen: Wirkung, Anleitung und mögliche Gefahren

veröffentlicht von Andrea Guenther in Regeneration am 22.10.2026
Andrea GuentherExpertin für Neuro-respiratorische Regulation & Atembasiertes Coaching

Holotropes Atmen ist eine intensive Atemtechnik aus der transpersonalen Psychologie. Durch schnelles und tiefes Atmen über längere Zeit, oft begleitet von Musik, soll ein veränderter Bewusstseinszustand entstehen. Dabei sinkt der CO₂-Spiegel im Blut, wodurch sich die Hirndurchblutung verändert und das sympathische Nervensystem aktiviert wird. Diese physiologischen Prozesse können körperliche und psychische Reaktionen auslösen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Holotropes Atmen ist eine Methode aus der transpersonalen Psychologie, bei der du durch schnelles, tiefes Atmen über längere Zeit einen veränderten Bewusstseinszustand erreichen kannst.
  • Die Wirkung beruht physiologisch auf kontrollierter intensiver, bewusst verbundener Atmung: Der CO₂-Spiegel im Blut sinkt, die Hirndurchblutung verändert sich, und das sympathische Nervensystem wird stark aktiviert. [1] [3]
  • Für den therapeutischen Nutzen – etwa bei Trauma, Angst oder Depression – fehlen bisher hochwertige klinische Studien; die vorhandene Evidenz stammt aus Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppe. [2] [5]
  • Holotropes Atmen kann ernsthafte Risiken bergen – von Muskelkrämpfen und Ohnmacht bis zu Krampfanfällen oder psychischen Krisenreaktionen. Eine qualifizierte Begleitung ist essenziell. [3] [4] [7]
  • Für den Einstieg in Atemarbeit eignen sich sanftere Techniken wie Box Breathing, Coherent Breathing oder die 4-7-8-Methode besser – gerade in Kombination mit Bewegung und Regeneration.

BLACKROLL bietet holotropes Atmen nicht an und empfiehlt die Methode nicht. Dieser Artikel ordnet sie ein, damit du eine informierte Entscheidung treffen kannst.

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Was ist Holotropes Atmen?

Holotropes Atmen ist eine von Stanislav Grof in den 1970er Jahren entwickelte Atemtechnik, bei der du durch beschleunigte und vertiefte Atmung über mehrere Stunden in einen veränderten Bewusstseinszustand gelangen sollst. Der Begriff „holotrop“ stammt aus dem Griechischen und lässt sich mit „auf Ganzheit ausgerichtet“ übersetzen.

Ursprung nach Stanislav Grof

Der tschechisch-amerikanische Psychiater Stanislav Grof entwickelte holotropes Atmen gemeinsam mit seiner Frau Christina, nachdem die therapeutische Arbeit mit LSD in den USA verboten wurde. 

Die Idee: einen ähnlichen Zugang zu tiefen psychischen Erfahrungen schaffen – ohne Substanzen, allein durch Atmung, Musik und Körperarbeit. Grof verstand die Methode als Teil der transpersonalen Psychologie, die sich mit Bewusstseinszuständen jenseits des alltäglichen Erlebens beschäftigt.

Ziel: Veränderte Bewusstseinszustände durch intensive Atmung

Das Ziel ist ein sogenannter veränderter Bewusstseinszustand (Altered State of Consciousness, ASC). Dieser Zustand ermöglicht den Zugang zu psychischen Schichten, die im normalen Wachbewusstsein schwer erreichbar sind – verdrängte Emotionen, frühe Erfahrungen oder tief verankerte Muster. Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten von intensiven Emotionen, lebhaften Bildern, körperlichen Empfindungen oder einem Gefühl tiefer Auflösung und Neuausrichtung. 

Eine Studie zu zirkulärem Breathwork zeigt: Der Beginn solcher veränderten Zustände ist signifikant mit einem starken CO₂-Abfall im Blut assoziiert. [1]

Was dabei oft unterschätzt wird: Das Öffnen allein ist nicht das Ziel. Entscheidend ist, was danach passiert. Erst die begleitete Integration – das Einordnen und Verarbeiten des Erlebten mit qualifizierter fachlicher Unterstützung – macht aus einer intensiven Erfahrung eine verwertbare. Ohne diese Begleitung besteht das Risiko, psychische Inhalte aufzureißen, ohne sie einordnen zu können. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen therapeutisch gerahmten Formaten und niedrigschwelligen Workshop-Angeboten.

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Abgrenzung zu Breathwork, Meditation und klassischer Atemtherapie
Holotropes Atmen unterscheidet sich deutlich von anderen Atemformen. Während Meditation und Box Breathing auf Beruhigung und Parasympathikus-Aktivierung zielen, wird beim holotropen Atmen bewusst das Gegenteil angestrebt: intensive Aktivierung und Grenzerfahrung. Damit gehört es zur Gruppe des High-Ventilation-Breathwork (HVB) – also Atemtechniken, die auf kontrollierter intensiver, bewusst verbundener Atmung basieren.

Methode

Atemmuster

Ziel

Intensität

Holotropes Atmen

schnell, tief, verbunden, durchgehend

veränderter Bewusstseinszustand

sehr hoch

Wim-Hof-Methode

Zyklen mit Atemanhalten

Stresstoleranz, Aktivierung

hoch

Box Breathing

4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden ausatmen, 4 Sekunden halten

Fokus, Beruhigung

niedrig

Coherent Breathing

ca. sechs Atemzüge/Minute

Parasympathikus-Aktivierung

niedrig

Klassische Atemtherapie

individuell, ruhig

Körperwahrnehmung, Entspannung

niedrig

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Was ist die Wirkung von Holotropem Atmen im Körper?

Die Effekte des holotropen Atmens lassen sich weitgehend über die Physiologie der Hyperventilation erklären – also über den Abfall des Kohlendioxidspiegels im Blut und dessen Folgen für Gehirn, Nervensystem und Muskulatur.

Hyperventilation und veränderter CO₂-Spiegel

Durch das schnelle, tiefe Atmen wird deutlich mehr CO₂ ausgeatmet, als dein Stoffwechsel produziert. Der arterielle CO₂-Partialdruck sinkt – es entsteht eine sogenannte respiratorische Alkalose, also eine Verschiebung des Blut-pH-Werts ins Alkalische.

Das hat messbare Konsequenzen: Der zerebrale Blutfluss nimmt um etwa zwei Prozent pro 1 mmHg CO₂-Abfall ab, weil die Hirngefäße sich verengen. [1] [3] 

Gleichzeitig sinkt das freie ionisierte Kalzium im Blut, was zu Kribbeln, Muskelzuckungen und in ausgeprägten Fällen zu Muskelkrämpfen (Tetanie) führen kann. [3]

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Einfluss auf Nervensystem und Gehirnaktivität

Holotropes Atmen aktiviert das sympathische Nervensystem stark – Herzfrequenz steigt, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Herzfrequenzvariabilität verändert sich. [2]

Bildgebende Studien zeigen: Die Intensität der ausgelösten Bewusstseinszustände korreliert mit Veränderungen in Hirnregionen, die für Körperwahrnehmung und emotionale Erinnerung zuständig sind – insbesondere in der Insula, der Amygdala und dem Hippocampus. [2] Im EEG lassen sich deutliche Veränderungen messen, teils bis hin zu langsamen Wellen oder epilepsieähnlichen Mustern bei entsprechender Veranlagung. [3]

Mehr energie entspannung

Emotionale Prozesse, Körperreaktionen, Trance-Zustände

Auf subjektiver Ebene berichten Teilnehmer:innen von einem breiten Spektrum an Erfahrungen: von tiefer Entspannung und euphorischen Gefühlen über lebhafte Bilder und Erinnerungen bis hin zu starken körperlichen Reaktionen wie Weinen, Zittern oder Krämpfen. Die Palette reicht laut Fachübersichten von tranceartigen Zuständen bis zu panikartigen Reaktionen (Fincham et al., 2023a). 

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Holotropes Atmen – Anleitung im Überblick

Eine klassische holotrope Session dauert mehrere Stunden und findet in einem strukturierten Setting mit Begleitung, Musik und anschließender Integration statt – eine Durchführung im Alleingang ist nicht vorgesehen.

Vorbereitung: Setting, Begleitung, körperliche Voraussetzungen

Bevor eine Session beginnt, klären zertifizierte Begleiter:innen (Facilitators) mögliche Kontraindikationen ab. Teilnehmer:innen werden meist paarweise eingeteilt: Eine Person atmet, die andere dient als „Sitter“ und achtet auf Sicherheit. Das Setting ist ruhig, abgedunkelt, mit Matten am Boden. Vor der Session solltest du mehrere Stunden nichts Schweres gegessen haben und körperlich fit sein.

Typischer Ablauf einer Session

Eine holotrope Session gliedert sich in der Regel in drei Phasen:

  • Einführung und Intention: 

    Die Gruppe bespricht den Ablauf, jede:r formuliert eine innere Absicht. 

    Aktive Atemphase: eineinhalb bis drei Stunden schnelles, tiefes, durchgehendes Atmen – begleitet von laut gespielter Musik. Körperliche Reaktionen, Emotionen und Bilder werden zugelassen und nicht unterdrückt.

    Integration: Nach der Atemphase folgt eine ruhige Phase, oft mit künstlerischem Ausdruck (Mandala malen) und Gesprächen in der Gruppe, um das Erlebte einzuordnen.

Kontrollierte Studien zu Atemtechniken untersuchen überwiegend kurze, wiederholte Formate von rund 20 Minuten (Fincham et al., 2023b). Für die klassische mehrstündige holotrope Session gibt es dagegen kaum kontrollierte Untersuchungen (Fincham et al., 2023a). Was du in Fachübersichten über Wirkung und Sicherheit liest, lässt sich also nicht ohne Weiteres auf ein Workshop-Wochenende übertragen.

Rolle von Musik beim holotropen Atmen

Musik ist kein Beiwerk, sondern zentraler Bestandteil der Methode. Sie strukturiert die Session, verstärkt emotionale Prozesse und unterstützt die Trance-Induktion.

Typischerweise beginnt die Session mit aktivierender, rhythmischer Musik und wird über die Stunden hinweg emotionaler, dann ruhiger. Bildgebende Studien untersuchen holotrope Atemtechniken bewusst in Kombination mit evokativer Musik – was zeigt, wie eng beide Elemente zusammenwirken (Karter et al., 2025).

Verbindliche Empfehlungen zu bestimmten Genres oder Frequenzen gibt es aus wissenschaftlicher Sicht nicht.

Musik hoeren

Kurse zum holotropen Atmen: Warum Begleitung wichtig ist

Holotropes Atmen sollte niemals ohne qualifizierte Begleitung durchgeführt werden – die Intensität der Methode und das Risiko akuter körperlicher oder psychischer Reaktionen machen eine fachliche Supervision unverzichtbar.

Warum Anfänger:innen nicht alleine starten sollten

Gerade beim ersten Mal lässt sich kaum vorhersagen, wie dein Körper und deine Psyche reagieren. Stark emotionale Erfahrungen, Panikreaktionen oder körperliche Symptome wie Muskelkrämpfe und Schwindel können auftreten (Brandt, 1999; Fincham et al., 2023a). Eine erfahrene Begleitperson erkennt problematische Verläufe früh und kann eingreifen – etwa durch Atem-Coaching, Körperarbeit oder das Beenden der Session.

Zertifizierte Trainer:innen und strukturierte Gruppenformate

Der offizielle Ausbildungsweg läuft über das Grof Transpersonal Training (GTT) beziehungsweise dessen Nachfolgeorganisationen. Die Ausbildung zum bzw. zur zertifizierten Facilitator:in umfasst mehrere Hundert Stunden praktischer und theoretischer Arbeit über zwei Jahre. Darüber hinaus gibt es nicht zertifizierte Anbieter:innen, bei denen die Qualität stark variiert.

Worauf du bei Kursen achten solltest

Vor einer Buchung lohnt sich ein genauer Blick auf den Anbieter:

  • Hat der bzw. die Facilitator:in eine anerkannte Zertifizierung (z. B. GTT)?
  • Gibt es eine schriftliche Abklärung von Kontraindikationen vor der Session?
  • Ist medizinische Ersthilfe vor Ort gewährleistet?
  • Wie viele Teilnehmer:innen kommen auf eine Begleitperson?
  • Gibt es eine strukturierte Integration nach der Session und Nachbetreuung?
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Gefahren und Nebenwirkungen bei holotropem Atmen

Holotropes Atmen birgt reale körperliche und psychische Risiken, die du nicht unterschätzen solltest – insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen kann die Methode gefährlich sein.

Körperliche Risiken

Durch die intensive Hyperventilation können verschiedene körperliche Reaktionen auftreten. Zu den am häufigsten beschriebenen gehören:

  • Parästhesien (Kribbeln in Händen, Füßen, um den Mund) durch Alkalose (Brandt, 1999)
  • Tetanie mit Pfötchenstellung durch reduziertes ionisiertes Kalzium (Brandt, 1999)
  • Schwindel und Ohnmacht (Synkopen) durch reduzierte Hirndurchblutung – besonders in Kombination mit Kälte oder Orthostase (Tavel, 2021) 
  • Kardiale Repolarisationsstörungen (messbare EKG-Veränderungen wie ST-Senkungen) (Brandt, 1999; Tavel, 2021) 
  • Provokation epileptischer Anfälle bei entsprechender Veranlagung (Brandt, 1999; ) (Guaranha et al., 2005) 
Stressmanagement gedankenkarusell

Psychische Risiken

Auf psychischer Ebene reicht das Spektrum der berichteten Reaktionen von tiefen transzendenten Erfahrungen bis zu panikartigen Zuständen (Fincham at al., 2023a). 

Bei Vorerkrankungen wie schweren Traumata, psychotischen Störungen oder Suizidalität kann eine Session belastende Prozesse triggern, die nur in einem therapeutischen Rahmen sicher aufgefangen werden können.

Systematische Daten zu Re-Traumatisierungen oder psychotischen Episoden im Zusammenhang mit holotropem Atmen liegen bislang nicht vor – was auch heißt: Die Datenlage zur Sicherheit ist unvollständig (Fincham at al., 2023a). 

Schlaf und Psyche

Kontraindikationen: Wer sollte verzichten?

Die folgende Übersicht fasst Personengruppen zusammen, für die intensive Atemtechniken als ungeeignet gelten. Sie stützt sich auf die Risikoeinordnung in Fachübersichten zu High-Ventilation-Breathwork (Fincham et al., 2023a) sowie auf Ausschlusskriterien, wie sie in kontrollierten Breathwork-Studien üblich sind (Fincham et al., 2023b). Sie ersetzt keine ärztliche Beratung.

Risikogruppe

Grund

Schwangerschaft, Stillzeit

Mögliche Effekte auf fetale Sauerstoffversorgung, fehlende Sicherheitsdaten

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Kardiale Belastung, mögliche Rhythmusstörungen

Hypertonie oder Hypotonie

Kreislaufinstabilität

Zerebrales Aneurysma

Risiko durch Blutdruckschwankungen

Epilepsie/Anfallsleiden

Hyperventilation kann Anfälle provozieren

Panikstörung

Symptome können sich verstärken

Psychotische Erkrankungen, bipolare Störung, schwere PTBS

Destabilisierung möglich

Einnahme von Psychopharmaka, Betablockern, serotoninhaltige Medikamente

Studien schließen diese Gruppen aus


Anbieter nennen zusätzlich häufig: Glaukom, Netzhautablösung, kürzlich zurückliegende größere Operationen und schwere Osteoporose. Für diese Gruppen liegen keine belastbaren Studiendaten vor – sie gelten als praktische Vorsichtsregel, nicht als wissenschaftlich belegte Kontraindikation. 

Im Zweifel gilt: vorher ärztlich abklären lassen.

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Für wen ist holotropes Atmen geeignet – und für wen nicht?

Holotropes Atmen ist keine Einsteigermethode und kein Wellness-Tool – es eignet sich für körperlich und psychisch stabile Menschen, die sich bewusst auf eine intensive Erfahrung einlassen wollen.

Erfahrungslevel und körperliche und psychische Stabilität

Holotropes Atmen ist keine Methode für zwischendurch. Es ist ein therapeutisches Werkzeug, das gezielt tief verankerte psychische Muster und Traumata zugänglich machen kann.

Wer diese Methode zur Traumaarbeit nutzen möchte, sollte sie ausschließlich mit ausgebildeten Therapeut:innen durchführen. Die professionelle Begleitung vor, während und nach der Session ist hier keine Option, sondern Voraussetzung. Für alle anderen gilt: körperliche Stabilität (keine der genannten Vorerkrankungen) und psychische Belastbarkeit außerhalb akuter Krisen. Vorerfahrungen mit Meditation, Yoga oder sanfterem Breathwork können helfen, mit intensiven inneren Prozessen umzugehen.

Unterschied zwischen therapeutischem Setting und Trend-Workshop

Ursprünglich wurde holotropes Atmen als therapeutisches Werkzeug konzipiert, eingebettet in transpersonale Psychotherapie. Heute wird es oft als Wochenend-Workshop oder Festival-Angebot vermarktet – teils ohne ausreichende Abklärung der Teilnehmer:innen.

Dieser Unterschied ist wichtig: Ein therapeutisches Setting ist etwas anderes als ein Breathwork-Event mit 50 Teilnehmer:innen und wenigen Begleitpersonen. Die Evidenz für die therapeutische Wirksamkeit der Methode ist zudem begrenzt – es existieren bisher nur Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppe, die kleine positive Effekte auf Achtsamkeit und Stress nahelegen (Fincham et al., 2023c). Randomisiert-kontrollierte Studien zur therapeutischen Wirksamkeit fehlen (Fincham et al., 2023a; Fincham et al., 2023c). 

Alternative Atemtechniken für Einsteiger:innen

Wenn du in Atemarbeit einsteigen möchtest, ohne dich einer Grenzerfahrung auszusetzen, gibt es zahlreiche sanftere Alternativen. Diese sind weniger riskant, einfacher zu erlernen und lassen sich sicher allein praktizieren.

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Sanfte Atemarbeit als sichere Alternative

Für den Alltag und die Regeneration sind sanfte Atemtechniken meist die bessere Wahl – sie sind sicher, wissenschaftlich gut untersucht und lassen sich mit Bewegung und Faszienarbeit zu einer ganzheitlichen Routine kombinieren.

Meta-Analysen zu verschiedenen Breathwork-Formen – vor allem zu langsamen Atemtechniken – zeigen kleine bis moderate positive Effekte auf Stress, Angst und depressive Symptome, bei insgesamt moderater Studienqualität (Fincham et al., 2023c). Das reicht zwar nicht als Ersatz für eine Therapie, aber als alltagstaugliches Werkzeug zur Regulation.

Drei sanfte Techniken im Überblick

Coherent Breathing: ca. sechs Atemzüge pro Minute (5 Sekunden Einatmen, 5 Sekunden Ausatmen). Kann die Herzfrequenzvariabilität erhöhen und die Parasympathikus-Aktivität unterstützen.

Box Breathing: 4 Sekunden Einatmen, 4 Sekunden Halten, 4 Sekunden Ausatmen, 4 Sekunden Halten. Gut zur Fokussierung und in stressigen Situationen.

4-7-8-Methode: 4 Sekunden Einatmen, 7 Sekunden Halten, 8 Sekunden Ausatmen. Kann beim Einschlafen und zur Beruhigung unterstützend wirken.

Beispiel-Routine: Atmung und Regeneration kombinieren

Atmung entfaltet ihre beruhigende Wirkung besonders gut in Verbindung mit bewusster Körperarbeit. So könnte eine abendliche 15-Minuten-Routine aussehen:

  1. 5 Minuten sanftes Ausrollen der Rückenmuskulatur mit der BLACKROLL® STANDARD, um Verspannungen zu lösen und die Körperwahrnehmung zu aktivieren.
  2. 5 Minuten gezielte Triggerpunktarbeit mit dem BLACKROLL® BALL 08 an Nacken, Schultern oder Füßen.
  3. 5 Minuten Coherent Breathing in Rückenlage – sechs Atemzüge pro Minute, ruhig und gleichmäßig.

Diese Kombination aus Faszienarbeit und langsamer Atmung kann deinen Parasympathikus aktivieren und deine Regeneration unterstützen – ganz ohne Extremerfahrung.

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Intensiv, kraftvoll – aber nicht für jeden geeignet

Holotropes Atmen ist eine intensive Methode mit klaren physiologischen Effekten und potenziell tiefgreifenden Erfahrungen. Was dabei im Körper passiert, ist gut verstanden: Die Physiologie der Hyperventilation ist seit Jahrzehnten beschrieben. 

Ob die Methode therapeutisch wirkt, ist dagegen offen – randomisiert-kontrollierte Studien dazu fehlen. Die Risiken sind real und betreffen viele Menschen mit Vorerkrankungen.

Wenn du mit Atemarbeit starten möchtest, beginne sanft – und integriere sie bewusst in deine Regenerationsroutine, statt direkt nach dem Extrem zu greifen.

FAQ

Holotropes Atmen ist eine von Stanislav Grof entwickelte Atemtechnik, bei der du durch schnelles, tiefes Atmen über mehrere Stunden einen veränderten Bewusstseinszustand erreichen sollst. Begleitet wird die Methode von Musik, einem strukturierten Gruppensetting und einer anschließenden Integrationsphase. Sie stammt aus der transpersonalen Psychologie.

Eine Session dauert meist zwei bis drei Stunden und findet in einem Gruppensetting mit zertifizierten Begleitpersonen statt. Nach einer Einführung folgt eine längere Phase intensiver Atmung zu Musik, in der emotionale und körperliche Prozesse zugelassen werden. Abschließend gibt es eine Integrationsphase mit Gesprächen oder kreativem Ausdruck.

Holotropes Atmen kann für bestimmte Personengruppen riskant sein. Durch die kontrollierte Hyperventilation sind Muskelkrämpfe, Ohnmacht, Herzrhythmus-Veränderungen und epileptische Anfälle bei entsprechender Veranlagung möglich (Brandt, 1999; Guaranha et al., 2005). 

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie, Schwangerschaft oder psychischen Vorerkrankungen solltest du darauf verzichten und vorher ärztlich abklären lassen.

Häufige Nebenwirkungen sind Kribbeln in Händen und um den Mund, Muskelkrämpfe (Tetanie), Schwindel, Übelkeit und emotionale Überflutung (Brandt, 1999). 

Seltener, aber ernst zu nehmen sind Panikreaktionen, Synkopen und bei Veranlagung Krampfanfälle. Psychische Vorerkrankungen können durch intensive Sessions destabilisiert werden.

Nein, holotropes Atmen sollte nicht allein praktiziert werden. Die Methode ist explizit für ein strukturiertes Gruppensetting mit qualifizierter Begleitung konzipiert. Akute körperliche Reaktionen wie Krämpfe oder Ohnmacht und belastende emotionale Prozesse lassen sich allein kaum sicher auffangen. Für den Eigengebrauch eignen sich sanftere Atemtechniken besser.

Zum Weiterlesen

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Quellen

Brandt, T. (1999). Hyperventilation syndrome. In Vertigo: Its Multisensory Syndromes (pp. 469–478). Springer London. 
https://doi.org/10.1007/978-1-4757-3801-8_30 

Fincham, G. W., Kartar, A., Uthaug, M. V., Anderson, B., Hall, L., Nagai, Y., Critchley, H., & Colasanti, A. (2023a). High ventilation breathwork practices: An overview of their effects, mechanisms, and considerations for clinical applications. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 155, 105453. 
https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2023.105453 

Fincham, G. W., Strauss, C., & Cavanagh, K. (2023b). Effect of coherent breathing on mental health and wellbeing: A randomised placebo-controlled trial. Scientific Reports, 13, 22141. 
https://doi.org/10.1038/s41598-023-49279-8 

Fincham, G. W., Strauss, C., Montero-Marin, J., & Cavanagh, K. (2023c). Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials. Scientific Reports, 13, 432. 
https://doi.org/10.1038/s41598-022-27247-y 

Guaranha, M. S. B., Garzon, E., Buchpiguel, C. A., Tazima, S., Yacubian, E. M. T., & Sakamoto, A. C. (2005). Hyperventilation revisited: Physiological effects and efficacy on focal seizure activation in the era of video-EEG monitoring. Epilepsia, 46(1), 69–75. https://doi.org/10.1111/j.0013-9580.2005.11104.x 

Havenith, M. N.; Leidenberger, M.; Brasanac, J.; Corvacho, M.; Figueiredo, I. C.; Schwarz, L.; Uthaug, M.; Rakusa, S.; Bernardic, M.; Vasquez-Mock, L.; Pérez Rosal, S.; Carhart-Harris, R.; Gold, S. M.; Jungaberle, H.; Jungaberle, A. (2025). Decreased CO₂ saturation during circular breathwork supports emergence of altered states of consciousness. Communications Psychology, 3(1), 59. https://doi.org/10.1038/s44271-025-00247-0 

Karter, A. A.; Horinouchi, T.; Örzsik, B.; Anderson, B.; Hall, L.; Bailey, D.; Samuel, S.; Beltran, N.; Bouyagoub, S.; Racey, C.; Nagai, Y.; Aslani, I.; Critchley, H.; Colasanti, A. (2025). Neurobiological substrates of altered states of consciousness induced by high ventilation breathwork accompanied by music. PLOS One. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0329411 

Tavel, M. E. (2021). Hyperventilation syndrome: Why is it regularly overlooked? The American Journal of Medicine, 134(1), 13–15. 
https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2020.07.006