„Eine schlechte Nacht zerstört dich nicht" – Anna West über die wichtigste Nacht der Karriere
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„Eine schlechte Nacht zerstört dich nicht" – Anna West über die wichtigste Nacht der Karriere

veröffentlicht von Fynn Beckmann in Healthstyle am 02.06.2026

Das erfährst du in dieser Story

  • Warum viele Profis vor dem wichtigsten Spiel der Saison schlechter schlafen.
  • Weshalb eine schlechte Nacht deinen nächsten Tag nicht ruinieren muss.
  • Welche Morgenroutine Anna West nach kurzen Nächten empfiehlt.
  • Was hinter ihrem Konzept der „Energy Givers" und „Energy Suckers" steckt.

Warum Profis vor dem WM-Spiel schlecht schlafen – und warum genau das in Ordnung ist. Annas radikale Umkehr vom Schlaf-Output zur Morgenroutine.

Es ist 6:30 Uhr, der Morgen vor dem ersten WM-Spiel. Ein junger Spieler kommt zum Frühstück, Augenringe, halb verzweifelt. Vier Stunden Schlaf, vielleicht. Er erzählt Anna alles auf einmal: das Bett zu hart, der Kopf zu voll, das Drehen, das Wachliegen, das Hoffen.

Anna West hört zu. Dann lacht sie und sagt einen Satz, der den ganzen Tag verändert.

„Perfekt. Genau das war zu erwarten."

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Die Umkehr

Anna arbeitet seit Jahren mit Spitzensportler:innen. Sie weiß: Vor wichtigen Spielen schlafen die meisten schlecht. Cortisol steigt, Adrenalin ist hoch, der Kopf läuft auf 1.500 Touren. Das ist kein Notfall – das ist Biologie. Und genau hier setzt Annas Methode an.

„Eine schlechte Nacht zerstört dich nicht. Vor einem großen Event ist sie fast erwartbar – weil dein Körper Hormone produziert, die gegen Schlaf arbeiten. Wer das versteht, hat schon halb gewonnen."

Was Anna mit ihren Spieler:innen macht, ist eine Umkehr der ganzen Logik. Nicht mehr: „Wie maximieren wir den Schlaf in der Nacht davor?" Sondern: „Wie bauen wir die Morgenroutine so, dass auch eine 4-Stunden-Nacht funktioniert?"

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Die schlechte Reaktion

Die meisten Athlet:innen machen am Tag nach einer schlechten Nacht denselben Fehler. Sie bleiben im Bett liegen. Sie verschieben das Frühstück. Sie gehen nicht raus. Sie reden mit jedem über ihre Müdigkeit.

„Das ist die schlechte Reaktion. Sie verstärkt alles.", weiß Anna.

Was passiert: Kein Tageslicht heißt kein circadianer Re-Sync. Kein Frühstück heißt kein Stoffwechsel-Trigger. Kein Wasser heißt verstärkte Müdigkeit. Und jedes „Mensch, ich habe so schlecht geschlafen" am Frühstückstisch bringt das Gehirn dazu, das auch zu spüren.

Die gute Reaktion

Annas Tag-danach-Routine hat eine klare Reihenfolge.

  1. Licht. Vorhänge auf, am besten ein paar Minuten raus.
  2. Wasser. Sofort, bevor irgendetwas anderes passiert. Idealerweise mit Elektrolyten.
  3. Koffein. Bewusst – aber niemals auf nüchternen Magen.

„Niemals Koffein auf leeren Magen. Du bekommst Energie. Und dann den Crash hintendran. Das willst du nicht am Spieltag."

Zwischen Wasser und Koffein steht ein leichtes Frühstück. Kohlenhydrate für Energie, Protein für Sättigung, ein Hauch Salz für die Hydration. Keine Wunderdroge. Aber drei Hebel, die zusammen den Unterschied machen.

Energy-Givers vs. Energy-Suckers

Annas Lieblingsframework, das sie für die WM 2026 erst recht ausspielen wird. Es ist gleichzeitig praktisch und romantisch.

„Frag dich, wer dich am Spieltag-Morgen anrufen darf. Wer gibt dir Energie? Wer nimmt sie? Ruf den ersten an. Lass den zweiten heute Nachmittag wählen."

Familie. Bester Freund. Trainer. Bei jedem Spieler ein anderes Bild. Aber das Prinzip ist universell: Wenige Minuten Kontakt zu jemandem, der dich hochzieht, sind biochemisch mehr wert als eine zusätzliche Tasse Kaffee.

Und das gilt nicht nur für Profis. Auch wer am Sonntag einen Pitch hält, eine Prüfung schreibt, einen Triathlon startet – die Frage „Wer gibt mir Energie?" funktioniert.

Die verbale Strategie

Eine Anna-Beobachtung, die kontra-intuitiv klingt, aber sich bei Teams immer wieder bewährt: nicht über Müdigkeit reden.

„Je mehr wir den Schmerzpunkt aussprechen, desto stärker fühlen wir ihn. Es gibt eine verbale Strategie – auch im Betreuerstab. Wir reden am Spieltag nicht über Tiredness. Wir reden über Bereitschaft."

Klingt banal. Macht in der Praxis einen messbaren Unterschied. Wer am Frühstückstisch sagt „Heute fühle ich mich top", spürt es eher. Wer „Boah, was für eine miese Nacht" sagt, lädt sich das Gefühl auf den Tag.

Sieben Steckdosen

Anna hat ein Modell, mit dem sie ihre Spieler:innen seit ein paar Jahren arbeiten lässt. Sieben Arten von Erholung.

„Wir sind keine iPhones. Wir können nicht immer dieselbe Steckdose nutzen und erwarten, dass die Batterie voll wird. Manchmal brauchen wir verschiedene Stecker."

Schlaf ist nur eine von sieben. Die anderen: körperliche Ruhe (Stretching, Spazierengehen), mentale Ruhe (Mikropausen, Stille), emotionale Ruhe (Gespräch mit Vertrauten), sensorische Ruhe (Bildschirme aus), kreative Ruhe (Natur, Musik, Hände-machen), soziale Ruhe (Zeit mit Energy-Givers), spirituelle Ruhe (Sinn, Anker, Reflexion).

Wer am Spieltag-Morgen merkt, dass die Schlaf-Steckdose leer ist, kann andere anklemmen.

Smart, oder smart darüber

Anna closed jedes ihrer Coachings mit demselben Satz. Es ist mehr eine Haltung als eine Regel.

„Wir wollen, dass sie das Kluge tun. Aber wenn sie das Kluge vergessen, müssen sie smart darüber sein."

Das passt auf den Spieler nach vier Stunden Schlaf. Das passt auf den Fan, der morgens um 5 Uhr ins Büro muss, weil das WM-Spiel erst um 2:30 zu Ende war. Das passt auf jeden, der vor dem wichtigsten Tag seiner Woche steht und denkt: „Hätte ich nur besser geschlafen."

Hättest du. Aber du hast nicht. Und die ersten 30 Minuten nach dem Aufstehen entscheiden, wie der Tag wird – nicht die Stunde, die du nicht geschlafen hast.

Annas komplette Methode – inklusive 7 Types of Rest, Sleep Latency und mehr – im großen Anna-West-Interview.