
Alkohol und Gesundheit – wie viel ist (noch) okay?

Kurz zusammengefasst
- Keine gesunde Menge: Die WHO bestätigt, dass es kein risikofreies Maß für Alkoholkonsum gibt – schon kleine Mengen erhöhen Gesundheitsrisiken.
- Grenzwerte: Als risikoarm gelten maximal 27 g reiner Alkohol pro Woche – das entspricht etwa eineinhalb Gläsern Wein oder zwei bis drei Gläsern Bier.
- Regeneration leidet: Alkohol stört den REM-Schlaf und hemmt die Muskelregeneration – besonders problematisch nach dem Training.
- Langfristige Folgen: Chronischer Konsum belastet Leber, Gehirn, Herz-Kreislauf-System und beschleunigt Alterungsprozesse.
Gesunde Alternativen: Faszientraining, Atemtechniken und Bewegung helfen dir, stressfrei zu entspannen – ohne die negativen Effekte von Alkohol.
Wie viel Alkohol noch gesund ist, ab wann es ungesund wird und welche Risiken es gibt, ist nicht so einfach zu sagen und hängt von vielen Faktoren ab. Je besser du darüber informiert bist, desto besser kannst du selbstbestimmt abwägen und entscheiden, wie du damit umgehen möchtest.

Ist Alkohol gesund? Was die Forschung sagt
Die Behauptung, dass moderate Mengen Alkohol der Gesundheit dienlich sind, wurde über viele Jahrzehnte verbreitet. Neuere Studien konnten dies aber nicht bestätigen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 2023 in einem Statement mitgeteilt: „Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge.“ Alkohol an sich ist eine toxische Substanz mit negativen Auswirkungen auf Körper und Psyche, die zudem starkes Suchtpotenzial hat. Diese Aussage wurde durch zahlreiche Studienergebnisse gestützt.
Im Global Burden of Disease Report gilt Alkohol als siebtgrößter Risikofaktor für vorzeitigen Tod weltweit. Damit liegt Alkohol auf einer Stufe mit Bluthochdruck und hohem Blutzucker.

Der Rotwein-Mythos
„Ein Glas Rotwein am Tag ist sehr gesund!“
Diese Aussage hast du sicher schon häufiger gehört. Meistens fällt sie, wenn jemand seinen Alkoholkonsum rechtfertigen will. Auch von Seiten der Weinindustrie kommt dieses Argument häufig.
Tatsache ist, dass Rotwein auch Bestandteile enthält, die gesunde, antioxidantische Wirkungen haben, wie etwa Resveratrol. Allerdings sind die Mengen dieser Wirkstoffe im Rotwein wahrscheinlich zu gering, um eine signifikante positive Wirkung zu entfalten. Studien, die positive Effekte von kleineren Mengen Rotwein hervorheben, wurden in einer Metastudie teilweise als irreführend bezeichnet. Insgesamt überwiegen meist die negativen Auswirkungen des Alkohols.

Wie viel Alkohol ist gesund?
Wie viel Alkohol ist gesund? Grenzwerte und Unterschiede
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) definiert drei geschlechtsunabhängige Risikostufen für Alkoholkonsum. Laut denen gibt es keinen gesunden, sondern nur risikoarmen Konsum von Alkohol. [3]
Risikoarm: bis 27 g reiner Alkohol pro Woche
- 280 ml Wein (12 % Vol.) – etwa 1,5 Gläser
- 660 ml Bier (5 % Vol.) – 2 bis 3 Gläser
- 80 ml Spirituosen (38 % Vol.) – 2 Schnäpse
Moderates Risiko: 27 bis 81 g pro Woche
- bis 825 ml Wein – etwa 4 Gläser
- bis 2 Liter Bier – etwa 4 Flaschen (0,5 l)
- bis 250 ml Spirituosen – etwa 6 Schnäpse
Riskanter Konsum: mehr als 81 g pro Woche
Alles darüber hinaus erhöht das Gesundheitsrisiko deutlich.

Gibt es eine „sichere“ Menge Alkohol?

Alkohol und seine Auswirkungen auf den Körper
Alkohol wirkt auf fast jedes Organsystem – manche Effekte spürst du sofort, andere entwickeln sich schleichend. Insgesamt wurden über 200 negative gesundheitliche Folgen in Verbindung mit Alkoholkonsum gebracht.

Schlaf: Alkohol hilft manchen, schneller einzuschlafen, aber der REM-Schlaf – die Phase, in der dein Körper regeneriert – wird um bis zu 20 % reduziert. Die Schlafqualität leidet also. [4]

Muskelregeneration: Alkohol hemmt die Muskelproteinsynthese um bis zu 30 %. Dein Körper repariert Muskelfasern langsamer, Muskelaufbau wird gebremst – selbst nach kleinen Mengen.

Leber: Bereits bei moderatem Konsum kann sich eine Fettleber entwickeln, die unbehandelt zu Fibrose und Zirrhose fortschreitet.

Herz-Kreislauf: Chronischer Konsum erhöht den Blutdruck und kann zu Herzmuskelerkrankungen führen.

Gehirn: Regelmäßiger Alkoholkonsum ist mit Schrumpfung des Hippocampus (Gedächtnis) und präfrontalen Kortex (Impulskontrolle) verbunden. Je mehr und länger, desto ausgeprägter.

Krebsrisiko: Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass erhöhter Alkoholkonsum das Risiko für viele Krebsarten deutlich erhöht.

Longevity: Chronischer Alkoholkonsum – auch in 'moderaten' Mengen – beschleunigt Alterungsprozesse in fast jedem Organsystem.

Alkohol und psychische Gesundheit
Viele Menschen trinken, um ihre momentane Laune zu verbessern. Langfristig leidet die Psyche aber.
Dopamin: Der Dopamin-Kick durch Alkohol hebt die Stimmung kurzfristig – solange weiter getrunken wird. Danach ist aber Rebound angesagt: Neurotransmitter-Spiegel fallen unter das Ausgangsniveau, schlechte Kater-Laune am nächsten Tag ist vorprogrammiert.
GABA und Glutamat: Alkohol verstärkt die hemmende Wirkung von GABA und reduziert Glutamat. Nach dem Abbau kehrt sich das um: Du fühlst dich unruhig, ängstlich oder nervös.
Cortisol: Alkohol erhöht das Stresshormon Cortisol. Dein Körper gerät also biochemisch unter Stress.
Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen starkem Alkoholkonsum und Symptomen von Depressionen. Das bedeutet nicht, dass Alkohol unbedingt zu Depressionen führt, allerdings trinken viele Menschen, um ihre Depressionen zu lindern. Das kann dazu führen, dass die negativen Auswirkungen die Depressionen verschlimmern und ein Teufelskreis entsteht.

Kognitive Leistungsfähigkeit
Dein Gehirn ist besonders empfindlich gegenüber Alkohol. Große Mengen an Alkohol tragen zu kognitivem Leistungsabfall bei.
Akut: Arbeitsgedächtnis, Konzentration und Reaktionszeit sind beeinträchtigt. Das kennst du vielleicht vom „Filmriss" – dabei verhindert Alkohol die Bildung neuer Erinnerungen im Hippocampus.
Chronisch: Langfristiger Konsum führt zu messbarer Hippocampus-Atrophie. Das bedeutet: Deine Lern- und Merkfähigkeit nimmt dauerhaft ab. Exekutive Funktionen wie Planung, Impulskontrolle und Entscheidungsfindung leiden ebenfalls.
Reversibilität: Längere Auszeiten helfen dem Gedächtnis. Bei Abstinenz kann sich das Gehirn teilweise regenerieren.

Ab wann ist mein Trinkverhalten ungesund?
Ist dein Trinkverhalten ungesund oder problematisch? Wenn du unsicher bist, stelle dir folgende Fragen:
Wofür nutze ich Alkohol? Trinkst du, um zu genießen – oder um etwas auszuhalten? Wenn Alkohol eine Antwort ist, um mit Stress, Einsamkeit oder Unruhe umzugehen, ist das ein Signal für tiefere Bedürfnisse, die du anders adressieren solltest.
Kann ich problemlos Pausen einlegen? Schaffst du mühelos zwei bis drei alkoholfreie Tage pro Woche? Oder findest du immer Gründe, warum „heute eine Ausnahme“ ist? Kontrollverlust beginnt schleichend – oft mit kleinen Ausreden.
Was kostet mich mein Trinkverhalten? Leidet deine Schlafqualität, deine Regeneration nach Sport, deine Stimmung am nächsten Tag? Haben Freunde oder Familie Bedenken geäußert?
Wenn die ehrliche Beantwortung dieser Fragen unbequeme Wahrheiten aufdeckt, kann es an der Zeit sein, sich Hilfe zu suchen. Etwa bei der bundesweiten Sucht & Drogen Hotline.

Regeneration statt Rausch
Das Bedürfnis, runterzukommen und entspannen zu wollen, ist ganz natürlich. Besonders nach einer stressigen Arbeitswoche sehnt man sich nach einer Belohnung, die einen auf andere Gedanken bringt. Es gibt aber bessere und gesündere Methoden, als dafür zur Flasche zu greifen.
Alkohol hilft nur scheinbar beim Entspannen. Auch wenn man sich kurzzeitig wohlfühlt, und nach einigen Gläsern Rotwein besser einzuschlafen meint, stört der Alkohol die notwendige Regeneration deines Körpers. Dabei leidet nicht nur die Schlafqualität, sondern auch die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Durch Training angeregtes Muskelwachstum wird durch Alkohol genauso gehemmt wie deine Zellregeneration.
Mobilisation statt Belohnungsdrink: Sanfte Bewegungen signalisieren deinem Körper: Jetzt ist Zeit zum Runterkommen. Auch ein leichtes Workout nach einem stressigen Arbeitstag kann dir Balance bringen.
Relaxation-Microhabit: Ersetze deinen Feierabend-Drink durch eine 5-minütige Routine aus bewusster Entspannung und Body-Scan. Rolle mit Hilfe eines Faszienballs deine Waden, deinen Rücken oder deine Schultern – und genieße, wie sich das anfühlt.
Atmung und Faszientraining: Kombiniere die 4-7-8-Atemtechnik (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen) mit einem Faszienball unter den Füßen. Das baut Stress ab – und führt sicher nicht zu einem Kater.

Alkohol und Gesundheit: Balance finden
Aus Sicht der Wissenschaft ist es eindeutig: Es gibt keine Menge Alkohol, die aktiv gesund ist. Es gibt nur Mengen, die mehr oder weniger riskant sind.
Bewusster Umgang bedeutet aber nicht automatisch totalen Verzicht. Es bedeutet, informierte Entscheidungen zu treffen – basierend auf wissenschaftlichen und medizinischen Fakten. Regeneration, Schlaf und Leistungsfähigkeit profitieren messbar von alkoholfreien Phasen.
Versuche also eine Balance zu finden zwischen genussvollem, moderatem Alkoholkonsum und einem gesunden Lebensstil.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Alkohol und Gesundheit
Quellen & Studien
The Lancet Rheumatology. (2023). Alcohol and health: all, none, or somewhere in-between? The Lancet Rheumatology, 5(4), e167. https://doi.org/10.1016/S2665-9913(23)00073-5
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Richter, M., Tauer, J., Conrad, J., Heil, E., Kroke, A., Virmani, K., & Watzl, B. (2024). Alcohol consumption in Germany, health and social consequences and derivation of recommendations for action: Position statement of the German Nutrition Society (DGE). Ernährungs Umschau, 71(10), online first + eSupplement. https://doi.org/10.4455/eu.2024.033
Gardiner, C., Weakley, J., Burke, L. M., Roach, G. D., Sargent, C., Maniar, N., Huynh, M., Miller, D. J., Townshend, A., & Halson, S. L. (2025). The effect of alcohol on subsequent sleep in healthy adults: A systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine Reviews, 80, Article 102030. https://doi.org/10.1016/j.smrv.2024.102030
Barnes, M., Mündel, T., & Stannard, S. (2010). Acute alcohol consumption aggravates the decline in muscle performance following strenuous eccentric exercise.. Journal of science and medicine in sport, 13 1, 189-93 . https://doi.org/10.1016/j.jsams.2008.12.627
Bouajila, N., Domenighetti, C., Aubin, H. J., & Naassila, M. (2024). Alcohol consumption and its association with cancer, cardiovascular, liver and brain diseases: A systematic review of Mendelian randomization studies. Frontiers in Epidemiology, 4, Article 1385064. https://doi.org/10.3389/fepid.2024.1385064
Wang, M., Li, Y., Lai, M., Nannini, D. R., Hou, L., Joehanes, R., Huan, T., Levy, D., Ma, J., & Liu, C. (2023). Alcohol consumption and epigenetic age acceleration across human adulthood. Aging, 15(20), 10938–10971. https://doi.org/10.18632/aging.205153
Mitincu-Caramfil, S. D., Drima, E., Pascu, L. S., Moroianu, L.-A., Gherghiceanu, F., Popoviciu, M.-S., & Stoian, A. P. (2025). The Relationship Between Alcohol Consumption and Depression: An Analysis of Secondary Affections and Therapeutic Interventions. Journal of Mind and Medical Sciences, 12(1), 24. https://doi.org/10.3390/jmms12010024
Sabia, S., Elbaz, A., Britton, A., Bell, S., Dugravot, A., Shipley, M., Kivimaki, M., & Singh-Manoux, A. (2014). Alcohol consumption and cognitive decline in early old age. Neurology, 82(4), 332–339. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000000063


















