Longevity im Alltag 2

Kardiovaskuläre Prävention im Zeitalter der Longevity

veröffentlicht von Dr. Andrea Gartenbach in Regeneration am 5.1.2026
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Dr. Andrea Gartenbach

Unsichtbare Gefahr: Warum Prävention neu gedacht werden muss

Herzinfarkt und Schlaganfall zählen zu den häufigsten Todesursachen in Europa – und oft kommen sie ohne Vorwarnung. Alle zwei Minuten stirbt ein Mensch daran. Die klassische Vorsorge prüft Blutdruck und Cholesterin, übersieht jedoch die eigentlichen Ursachen. Genau hier setzt moderne Prävention im Sinne von Longevity an: Sie macht unsichtbare Risiken sichtbar, bevor sie zum Problem werden.

Kurz gesagt: Kardiovaskuläre Prävention umfasst alle Strategien, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen – von Laborwerten und Bildgebung bis hin zu Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung, Schlaf und Stressmanagement.

In diesem Artikel erfährst du,

  • warum Standardwerte wie Blutdruck oder Cholesterin nicht ausreichen,
     
  • welche modernen Marker heute entscheidend sind,
     
  • wie Gefäßgesundheit mit Longevity zusammenhängt,
     
  • und welche Rolle Lebensstil und geschlechtsspezifische Unterschiede spielen.

     

Ein Spoiler vorweg: Die Tools für eine wirksame Prävention sind längst vorhanden – entscheidend ist, sie rechtzeitig einzusetzen.

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Warum Standardwerte nicht ausreichen

Das klassische Vorsorgeprogramm prüft Blutdruck, Gesamtcholesterin und bei Männern über 65 ein Aortenscreening. Doch Gesamtcholesterin allein zeigt nicht, wie viele riskante Partikel im Blut zirkulieren und Gefäßablagerungen fördern. Besonders kritisch: Die Herzkranzgefäße, die am häufigsten betroffen sind, bleiben in dieser Routine unsichtbar.

Viele private Krankenversicherungen orientieren sich ebenfalls an diesen Standards – mit dem Ergebnis, dass auch dort moderne Präventionsdiagnostik nicht abgedeckt wird. Ein System, das sich an veralteten Parametern orientiert, kann Krankheiten kaum verhindern.

Erholsamer

schlafen

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Cholesterin im richtigen Kontext

Cholesterin ist lebenswichtig – es stabilisiert Zellmembranen und ist Ausgangsstoff für Hormone, Vitamin D und Gallensäuren. Entscheidend ist nicht die absolute Menge, sondern die Transportform und das Zusammenspiel mit genetischen, entzündlichen und metabolischen Faktoren.

Moderne Diagnostik berücksichtigt deshalb ApoB als Marker für atherogene Partikel, Lipoprotein(a) als genetischen Risikofaktor und Subfraktionen von LDL- und HDL-Partikeln.

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Mehrdimensionale Risikodiagnostik

Eine zeitgemäße Vorsorge integriert verschiedene Ebenen:

Gefäßmechanik

  • Erhöhter Blutdruck schädigt das Endothel, die innere Gefäßschicht, und fördert Plaquebildung.

     

Lipidologie

  • ApoB: zentraler Marker für atherogene Partikel
     
  • Lp(a): starker genetischer Risikofaktor, Leitlinien empfehlen eine Messung bei allen Erwachsenen
     
  • ApoE-Genotyp: beeinflusst Fettstoffwechsel und Alzheimer-Risiko

     

Entzündung & Endothelgesundheit

  • hsCRP für stille Entzündungen
     
  • Lp-PLA2 für aktive Gefäßwand-Entzündung
     
  • Homocystein als Marker für Gefäßverletzlichkeit und Methylierung

     

Stoffwechsel & Hormone

  • Nüchternglukose, Insulin und HOMA-Index zur Erkennung von Insulinresistenz
     
  • Adipokine (Leptin, Adiponektin) als Hinweis auf gesund regulierendes oder entzündungsförderndes Fettgewebe

     

Ergänzende Marker

  • Omega-3-Index für entzündungshemmende Fettsäuren
     
  • Oxidativer Stress: MDA-LDL, 8-OHdG, Nitrotyrosin
     
  • NT-proBNP zur Früherkennung von Herzschwäche
     
  • HRV (Herzfrequenzvariabilität) als Maß für Stressresilienz und Regeneration
     
  • Polysomnographie zur Aufdeckung von Schlafapnoe
     

Weiterführend: Lies hier mehr zur Herzfrequenzvariabilität (HRV).

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Bildgebung: Präziser Blick ins Herz

Blutwerte zeigen nicht alles. Bildgebende Verfahren erlauben den direkten Blick in die Gefäße:

  • CAC-Score per CT als etablierter Marker für Herzkranzverkalkungen
     
  • CT-Koronarangiographie macht auch instabile Plaques sichtbar
     
  • KI-gestützte Tools wie Cleerly differenzieren harte und weiche Plaques besonders genau

     

Natürlich muss Strahlenbelastung berücksichtigt werden – doch gezielt eingesetzt, können diese Methoden Risiken früh sichtbar machen.

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Prävention bedeutet mehr als Diagnostik

Neben Laborwerten und Bildgebung spielen Lebensstilfaktoren eine zentrale Rolle. Bewegung, Ernährung, Schlaf und Stressmanagement sind Grundpfeiler jeder kardiovaskulären Vorsorge. Schon 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche können das Risiko deutlich senken.

Auch gezielte Routinen wie Faszientraining für das Herz-Kreislauf-System oder Atemübungen zur Regulierung des Nervensystems können helfen, die HRV zu verbessern und Gefäße langfristig zu schützen.

Weiterführend: Tipps für besseren Schlaf findest du in unserem Artikel Schlafqualität verbessern.

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Frauen und Männer – unterschiedliche Risiken

Männer sind häufig schon in jüngeren Jahren betroffen, bei Frauen steigt das Risiko besonders nach der Menopause. Der hormonelle Umbruch beeinflusst Lipidprofile und Gefäßgesundheit deutlich. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, ApoB und Lp(a) speziell bei Frauen vor und nach der Menopause im Blick zu behalten.

ApoB ist ein wichtiger Marker, der idealerweise regelmäßig – unabhängig vom Geschlecht und je nach Risikofaktoren zwei- bis dreimal pro Jahr – gemessen werden sollte. Er gilt als besonders aussagekräftig für das kardiovaskuläre Risiko und lässt sich gut mit Entzündungsmarkern kombinieren. ApoB ist somit vergleichbar mit dem Blutdruck: ein Wert, den man regelmäßig überprüfen sollte.

Im Gegensatz dazu wird Lipoprotein(a), ein genetischer Marker ähnlich wie ApoE, bei Männern in der Regel einmalig bestimmt, bei Frauen einmal vor und einmal nach der Menopause. Häufige Verlaufskontrollen sind hier nicht nötig, da Lp(a) genetisch bedingt und über die Lebenszeit weitgehend stabil ist.

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Longevity beginnt im Gefäß

Gesunde Gefäße sind ein Schlüssel für gesundes Altern. Moderne Longevity-Ansätze kombinieren daher klassische Prävention mit funktioneller Diagnostik, Mikronährstoffanalysen und Lifestyle-Medizin. Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle ist dabei ebenso wichtig, denn dauerhaft erhöhte Werte schädigen die Gefäßinnenwände und beschleunigen Alterungsprozesse. Sie ergänzt andere präventive Maßnahmen wie die Überwachung von Lipidwerten und Entzündungsmarkern.

Omega-3-Fettsäuren, HRV-Tracking, Schlafoptimierung und gezielte Regenerationsstrategien werden zu Bausteinen eines ganzheitlichen Konzeptes für Healthy Aging. So entsteht ein synergetischer Ansatz, der nicht nur auf Langlebigkeit, sondern auch auf eine hohe Lebensqualität im Alter abzielt.

 

Erfahre hier mehr zu Longevity & Healthy Aging.

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Orientierung für Patient:innen

Viele fragen sich: Welche Tests sind für mich sinnvoll?

  • Familienrisiko vorhanden: Lp(a), ApoB und CAC-Score prüfen
     
  • Allgemeine Vorsorge: Blutdruck, Blutzucker, HRV regelmäßig kontrollieren
     
  • Individuelle Entscheidung: mit Ärzt:innen über erweiterte Diagnostik sprechen

     

So entsteht ein personalisiertes Präventionsprofil – anstelle starrer Standardwerte.

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Fazit: Zeit für einen neuen Standard

Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich über Jahrzehnte. Wer nur auf klassische Werte setzt, erkennt Risiken oft zu spät. Notwendig ist ein Paradigmenwechsel: ApoB statt LDL-C, Lp(a)-Screening für alle, moderne Entzündungs- und Stoffwechselmarker sowie präzise Bildgebung.

Die Werkzeuge existieren längst – jetzt gilt es, sie konsequent einzusetzen, um Prävention wirksam zu machen und Longevity Realität werden zu lassen.

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FAQ zur kardiovaskulären Prävention