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Bandscheibenvorfall: Ursachen, Symptome & Behandlung

veröffentlicht von Dr. rer. nat. Torsten Pfitzer in Schmerzen am 09.02.2021 - aktualisiert am 19.02.2026
Dr torsten pfitzer
Dr. rer. nat. Torsten Pfitzer

Welche Arten von Bandscheibenvorfällen gibt es? Wie sehen die Ursachen und Symptome aus? Und wie kannst du sie behandeln?

Deine Wirbelsäule besteht aus vielen übereinander gestapelten Wirbelkörpern. In den Zwischenräumen werden sie durch Faserknorpel gepolstert. Dabei schützen die sogenannten Bandscheiben die Knochen, indem sie Stöße aus dem alltäglichen Leben abdämpfen. Zeigen sich Abnutzungserscheinungen, kann das zu Schmerzen führen. Viele Menschen berichten von Beschwerden, die bis in die Beine ausstrahlen und ein Taubheitsgefühl verursachen.

Wichtig zu Wissen 

Ein Bandscheibenvorfall entsteht, wenn Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel drückt. Typisch sind Rückenschmerzen im unteren Rücken, Ischias-Beschwerden oder Taubheit. In den meisten Fällen ist eine Behandlung ohne OP möglich – durch Bewegung, Physiotherapie und gezieltes Training. 

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01. Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Anatomie bandscheibenvorfall blackroll

Ein Bandscheibenvorfall (medizinisch: Diskusprolaps) entsteht, wenn der weiche, gelartige Kern einer Bandscheibe – der sogenannte Nucleus pulposus – durch Risse im äußeren Faserring (Anulus fibrosus) nach außen tritt. Gelangt dieses Gewebe in Richtung Wirbelkanal, kann es auf eine Nervenwurzel oder das Rückenmark drücken. Die Folge können Rückenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine, Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit sowie Muskelschwäche sein. 

Bandscheiben befinden sich zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Sie wirken wie elastische Stoßdämpfer, verteilen Druckbelastungen gleichmäßig und ermöglichen Bewegungen in alle Richtungen. Jede Bandscheibe besteht aus: 

  • Anulus fibrosus (äußerer, stabilisierender Faserring)
  • Nucleus pulposus (weicher Gallertkern im Inneren) 

Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (L4/L5 oder L5/S1) auf, da hier die größte mechanische Belastung wirkt. Man spricht dann von einem Bandscheibenvorfall LWS, der häufig mit Schmerzen im unteren Rücken einhergeht. Seltener ist die Halswirbelsäule betroffen – ein sogenannter Bandscheibenvorfall HWS, der eher Nacken- und Armschmerzen verursacht. 

Ebenfalls der Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule ist eher selten und tritt meist zwischen den Brustwirbeln T8 und L1 auf- dies wurde im Review-Artikel 2018  Orthopaedics & Traumatology: Surgery & Research veröffentlicht. 

Anatomie bandscheibe lendenwirbel kreuzbein blackroll

Unterschied: Bandscheibenvorwölbung vs. Bandscheibenvorfall 

Nicht jede Veränderung der Bandscheibe ist gleich ein Vorfall. Mediziner unterscheiden: 

  • Protrusion (Bandscheibenvorwölbung): Der Faserring ist noch intakt, wölbt sich jedoch nach außen.
  • Prolaps (Bandscheibenvorfall): Der Faserring ist eingerissen, der Gallertkern tritt aus. 

Der Übergang zwischen beiden Formen ist fließend. Selbst in der bildgebenden Diagnostik – insbesondere im MRT (Magnetresonanztomographie) – lässt sich nicht immer eindeutig unterscheiden, ob es sich um eine Vorwölbung oder einen tatsächlichen Vorfall handelt. 

02. Was sind die Symptome bei einem Bandscheibenvorfall?

Je nachdem in welchem Bereich der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall auftritt, unterscheidet sich die Symptomatik. Liegt der Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS), hast du meist starke und plötzliche Rückenschmerzen im unteren Rücken. Diese können in Gesäß oder Beine ausstrahlen. Jede Bewegung wird zur Qual und verschlimmert deine Schmerzen. Dein Körper nimmt eine Schonhaltung ein, die Muskulatur verhärtet und fühlt sich steif an. Tritt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) auf, zeigt sich das meist in Form von Nackenbeschwerden. Du hältst den Hals oft schief und hast Schmerzen, die bis in die Arme oder den Hinterkopf ausstrahlen können.

Die häufigsten Bandscheibenvorfall-Symptome:

  • Rückenschmerzen
  • Bewegungssperre des betroffenen Wirbelsäulensegments
  • Muskelverhärtung im betroffenen Bereich der Wirbelsäule
  • Ausstrahlung der Schmerzen in Beine, Arme oder Nacken (bei LWS häufig als Ischias-Schmerz bezeichnet) 

  • nervale Störungen (Sensibilitäts-Störungen bestimmter Hautregionen)
  • Muskelschwächen
  • Lähmungserscheinungen, Kribbeln und Taubheit

03. Was sind Ursachen für einen Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall entsteht meist nicht plötzlich, sondern ist das Ergebnis eines langfristigen Verschleißprozesses. Mit zunehmendem Alter verlieren Bandscheiben an Elastizität und Wassergehalt. Dieser degenerative Prozess kann zunächst zu einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) und später zu einem Bandscheibenvorfall führen. 

Zusätzlich begünstigen mechanische Fehlbelastungen die Entstehung: 

  • häufige Vorbeugung der Wirbelsäule in Kombination mit Rotation
  • schweres Heben mit rundem Rücken
  • dauerhaftes Sitzen und Bewegungsmangel 

Beim Heben schwerer Lasten – etwa einer Getränkekiste mit gestreckten Beinen und gekrümmtem Rücken – entstehen hohe Scherkräfte. Diese können den äußeren Faserring schwächen, sodass der Gallertkern austritt. 

 

Wichtig zu wissen: 

Nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Beschwerden. Schmerzen entstehen häufig durch die Reizung umliegender Nervenstrukturen oder durch muskuläre Spannungsungleichgewichte. Eine gezielte Behandlung der beteiligten Muskulatur und Faszien kann daher oft zur Schmerzlinderung beitragen. 

Dr torsten pfitzer

„In den meisten Fällen sind nicht die Bandscheiben die Wurzel des Bandscheibenvorfalls, sondern Muskel-Faszien-Verhärtungen.“

Dr. Torsten Pfitzer, ganzheitlicher Schmerztherapeut und Gesundheitscoach
«Entgegen der leider weit verbreiteten Meinung sind in den allermeisten Fällen nicht die Bandscheiben die Wurzel des Übels, sondern schmerzhafte Muskel-Faszien-Verhärtungen. In diesen Fällen können mit der richtigen therapeutischen Unterstützung und speziellen Übungen zu Hause sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Dies sollte gegenüber einer meist fraglichen Bandscheiben-OP bevorzugt werden.» Dr. Torsten Pfitzer, ganzheitlicher Schmerztherapeut und Gesundheitscoach

04. Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall

Risikofaktoren und Gründe für die Degeneration von Bandscheiben sind:

  • Personen mit überdurchschnittlicher Körpergröße
  • Athleten, die Hochleistungssport betreiben
  • Personen, die häufig lange Strecken mit dem Auto zurücklegen
  • Eine Veranlagung aufgrund der Genetik
  • Übergewichtigkeit
  • Haltungsanomalien und Wirbelsäulenfehlstellungen wie zum Beispiel Morbus Scheuermann oder Skoliose
  • Verletzungen oder Überbeanspruchungen der Bandscheiben
  • Konsum von Tabakwaren und Alkohol

Genetische Faktoren können die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls begünstigen, bestätigte auch eine Forschungsgruppe der Universität Oulu. Bestimmte genetische Varianten beeinflussen die Qualität des Bindegewebes und können die Stabilität des Faserrings schwächen. Dadurch steigt das Risiko für einen Bandscheibenriss (Ruptur). 

In der Regel ist ein solcher Riss jedoch das Ergebnis eines länger andauernden degenerativen Prozesses. Mit zunehmender Degeneration verliert die Bandscheibe an Elastizität und Funktion. Stoffwechselveränderungen – insbesondere in den Knorpelplatten, die die Bandscheibe mit den Wirbelkörpern verbinden – können die Nährstoffversorgung beeinträchtigen und die Bandscheibengesundheit bereits frühzeitig schwächen. 

05. Was dir bei einem Bandscheibenvorfall helfen kann

Viele Menschen berichten, dass Ärzte oft zu schnell zum Messer greifen. Dabei kann eine konservative und zielgerichtete Behandlung einen Bandscheibenvorfall mindern und die Schmerzen beseitigen. Und zwar meist deutlich effektiver und nachhaltiger als eine Operation.

In über 80–90 % der Fälle gelingt eine Bandscheibenvorfall Behandlung ohne OP erfolgreich durch konservative Maßnahmen. Entscheidend sind eine gezielte konservative Therapie, regelmäßige Bewegung und Geduld. Viele Beschwerden bessern sich innerhalb von 6 bis 12 Wochen deutlich. 

1. Konservative Therapie – der wichtigste Baustein 

Die Basis jeder Behandlung ist eine aktive, funktionelle Therapie. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Nerven zu entlasten und die Wirbelsäule langfristig zu stabilisieren. 

Dazu gehören: 

  • Physiotherapie: Mobilisation der Wirbelsäule, manuelle Techniken und individuell angepasste Übungen
  • Gezieltes Rückentraining: Kräftigung der tiefen Bauch- und Rückenmuskulatur zur Stabilisierung
  • Myofasziale Techniken: Lösen von Verspannungen im Becken-, Hüft- und Rückenbereich
  • Dehnung verkürzter Muskeln: besonders Hüftbeuger und Beinmuskulatur zur Druckentlastung des Ischiasnervs 

Faszientools oder Triggerhilfen können unterstützend eingesetzt werden, um muskuläre Spannungen zu reduzieren und Beweglichkeit zu verbessern. 

Wichtig: Zu lange Schonung verschlechtert oft die Prognose- dies wird auch in dieser Studie von 2025 belegt. Angepasste Bewegung fördert die Durchblutung und unterstützt die natürliche Regeneration der Bandscheibe. 

Bandscheibenvorfall Übung Stufenlagerung
Lege dich rücklings auf den Boden und platziere deine Unterschenkel im 90-Grad-Winkel auf einem Gegenstand. Bleib nicht zu lange in dieser Position. Unser Tipp: Mach diese Übung maximal fünf Minuten täglich.

2. Medikamentöse Therapieoptionen 

Medikamente dienen vor allem dazu, akute Schmerzen zu kontrollieren und Bewegung wieder zu ermöglichen. 

Typische Optionen sind: 

  • NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) zur Entzündungshemmung
  • Muskelrelaxantien bei starken Verspannungen
  • Kortison-Injektionen bei ausgeprägter Nervenreizung
  • Medikamente gegen neuropathische Schmerzen bei Nervenirritationen 

Sie ersetzen jedoch keine aktive Therapie, sondern unterstützen sie vorübergehend. 

 

3. Operative Eingriffe und Interventionen 

Eine Operation ist in der Regel nur notwendig bei: 

  • schweren neurologischen Ausfällen
  • anhaltender Muskelschwäche
  • Blasen- oder Darmstörungen
  • therapieresistenten Schmerzen 

Zu den häufigsten Verfahren zählen: 

  • Mikrodiskektomie: Entfernung des vorgefallenen Bandscheibenanteils
  • Endoskopische Verfahren: minimal-invasiv mit schnellerer Erholung
  • Laminektomie oder Foraminotomie: Erweiterung des Wirbelkanals bei zusätzlicher Enge
  • Spinalfusion: Versteifung bei Instabilität 

Eine Operation beseitigt den mechanischen Druck – sie ersetzt jedoch kein anschließendes Training und keine aktive Stabilisation. 

 

Der nachhaltigste Weg bei einem Bandscheibenvorfall ist meist eine Kombination aus: 

  • kontrollierter Schmerztherapie
  • gezieltem Muskelaufbau
  • Mobilisation und Faszientraining
  • langfristiger Verhaltensänderung 

Aktive Mitarbeit ist der entscheidende Erfolgsfaktor. Wer seine Rumpfmuskulatur stärkt, Verspannungen reduziert und regelmäßige Bewegung in den Alltag integriert, senkt das Risiko, auch laut Studie welche 2023 veröffentlicht wurde, für erneute Beschwerden deutlich. 

Hilfe bei bandscheibenvorfall blackroll
Zu den Übungen bei einem Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorfall: Sanfte Übungen gegen Schmerzen

Wenn du langfristig beschwerdefrei bleiben möchtest, lohnt es sich, deine Alltagsgewohnheiten bewusst zu hinterfragen. Ein Bandscheibenvorfall entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über Jahre durch Fehlbelastung, Bewegungsmangel oder muskuläre Dysbalancen.  

Die gute Nachricht: Du kannst aktiv gegensteuern. 

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Diese Maßnahmen helfen dir langfristig: 

  • Rückenfreundliches Verhalten im Alltag 
    Achte beim Sitzen, Stehen und Gehen auf eine aufrechte Haltung. Vermeide langes, starres Sitzen und baue regelmäßige Bewegungspausen ein. Hebe schwere Gegenstände aus den Beinen heraus – nicht mit rundem Rücken – und halte Lasten möglichst nah am Körper.
  • Regelmäßige, dosierte Bewegung 
    Bandscheiben besitzen keine eigenen Blutgefäße. Sie werden über Bewegung mit Nährstoffen versorgt. Aktivitäten wie Yoga, Pilates, Walking oder Schwimmen fördern die Durchblutung und unterstützen die natürliche Regeneration. Wichtig ist eine regelmäßige, aber nicht überlastende Belastung.
  • Faszientraining und Mobilisation 
    Verklebungen und Spannungsungleichgewichte im myofaszialen System können den Druck auf die Wirbelsäule erhöhen. Durch gezieltes Mobilisieren und Lockern von Verspannungen verbesserst du die Beweglichkeit und reduzierst einseitige Belastungen.
  • Kräftigung der Rumpfmuskulatur 
    Eine starke Bauch- und Rückenmuskulatur stabilisiert deine Wirbelsäule wie ein natürliches Stützkorsett. Achte dabei auf ein ausgewogenes Training – Muskeln sollten nicht nur gekräftigt, sondern auch gedehnt werden.
  • Gesundes Körpergewicht halten 
    Übergewicht erhöht die mechanische Belastung auf die Bandscheiben. Ein normales Körpergewicht entlastet deine Wirbelsäule dauerhaft. 

Prävention bedeutet nicht Perfektion, sondern Kontinuität. Kleine, regelmäßige Veränderungen im Alltag haben langfristig den größten Effekt auf deine Rückengesundheit. 

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Fazit: Bandscheibenvorfall verstehen und aktiv handeln

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) entsteht meist durch einen langfristigen Verschleißprozess der Bandscheiben. Besonders häufig betroffen ist die Lendenwirbelsäule – ein Bandscheibenvorfall LWS äußert sich oft durch Rückenschmerzen im unteren Rücken und ausstrahlende Beschwerden bis ins Bein (Ischias). Seltener tritt ein Bandscheibenvorfall HWS mit Nacken- und Armschmerzen auf. 

Die gute Nachricht: Eine Bandscheibenvorfall-Behandlung ohne OP ist in den meisten Fällen erfolgreich. Entscheidend sind eine gezielte konservative Therapie, regelmäßige Bewegung, Physiotherapie sowie der Aufbau einer stabilen Rumpfmuskulatur. Medikamente können unterstützend wirken, eine Operation ist jedoch nur bei schweren neurologischen Ausfällen notwendig. 

Wer frühzeitig aktiv wird, muskuläre Dysbalancen ausgleicht und seine Wirbelsäule langfristig stärkt, verbessert nicht nur die Heilungschancen, sondern reduziert auch das Risiko für erneute Beschwerden nachhaltig. 

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