Triggerpunkte im Fasziengewebe

Veröffentlicht von Dr. rer. nat. Torsten Pfitzer in Faszien 11. Juni 2021
Dr. rer. nat. Torsten Pfitzer

Alles, was du über myofasziale Triggerpunkte wissen solltest.

Warst du schon einmal von Nacken- oder Rückenschmerzen betroffen? Hast du schon einmal seltsame Knubbel in deinem Muskelgewebe ertastet? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du auf einen Triggerpunkt gestoßen bist. Myofasziale Triggerpunkte gehören zu den häufigsten Auslösern für chronische Schmerzen und Verspannungen. In diesem Beitrag lernst du, was Triggerpunkte sind, wie sie entstehen und wie du diese Druckschmerzpunkte gezielt finden und lösen kannst. Die gute Nachricht ist: Myofasziale Triggerpunkte kannst du ohne Hilfe eines Therapeuten selbst auffinden und bearbeiten (“triggern”). Dabei darfst du dich auf dein eigenes Körpergefühl verlassen.

01. Was sind Triggerpunkte?

Myofasziale, also im Muskel- und Fasziengewebe vorkommende, Triggerpunkte sind in Industrienationen weit verbreitet und nicht selten Ursache für Schmerzen des Bewegungsapparats. Im myofaszialen Gewebe kommt es zu einer Dauerkontraktion der Muskelzellen und reaktiver Überdehnung von angrenzendem Gewebe, Blutgefäße werden komprimiert und die Sauerstoffversorgung im betroffenen Gewebe sinkt. Die Folgen sind ein myofaszialer Sauerstoffmangel, gepaart mit einem lokalen Mangel an Energie, die eigentlich zur Lösung der kontrahierten Muskelzellen nötig wäre. Aus diesem lokalen Kontraktionsknoten entsteht der sogenannte Triggerpunkt – eine punktförmige, knötchenartige Verhärtung im Muskel. Zu finden sind Triggerpunkte, der Definition nach, in verhärtetem myofaszialen Gewebe (Hartspann).

Triggerpunkte im Fasziengewebe

Umgangssprachlich betiteln wir dieses hypertone Gewebe häufig fälschlicherweise als „verkürzte“ Muskulatur. Fälschlicherweise deshalb, weil Muskulatur rein physiologisch nicht verkürzen kann. Ein Muskel hat immer die gleichen Ursprungs- und Ansatzpunkte und ist zwischen diesen Punkten aufgespannt. Lediglich die Spannung des Muskels kann variieren. Von lockerer Eigenspannung des Muskels in Ruhe (Ruhetonus) hin zu voller Kontraktion unter Last. Und genau dann, wenn Muskeln nach Kontraktion nicht mehr in ihre eigentliche, niedrige Ruhespannung zurückkehren und in übermäßiger Anspannung verharren, bezeichnen wir den Muskel umgangssprachlich als verkürzt.

Für die Selbstbehandlung mit der Triggerpunktmassage macht die Art des Triggerpunkts keinen Unterschied. Allerdings fühlen sich die Schmerzen, die die verschiedenen Triggerpunktarten auslösen, unterschiedlich an. Deshalb erklären wir dir hier kurz den Unterschied: Es gibt aktive und latente Triggerpunkte.

Sie unterscheiden sich darin, dass die aktiven Triggerpunkte bereits ohne mechanische Stimulation auffällig sind und uns Schmerzen verursachen. Durch Stimulation eines aktiven myofaszialen Triggerpunkts können die typischen, alltäglichen Beschwerden reproduziert werden.

Der latente Triggerpunkt hingegen ist klinisch stumm. Er stört uns im Alltag nicht, er fällt nicht weiter auf. Erst bei starker Stimulation durch Druck oder Dehnung lassen sich Schmerzen, die zumeist ausstrahlend sind, auslösen. Jedoch lassen sich in diesem Fall keine Schmerzen provozieren, die uns aus dem Alltag bekannt sind.

02. Sind Triggerpunkte für Schmerzen verantwortlich?

Triggerpunkte können für Schmerzen in weit entfernten Körperregionen verantwortlich sein. Kopf- und Nackenschmerzen z.B. können durch Triggerpunkte im Schulterbereich ausgelöst werden. Dieses Phänomen nennt man Schmerzprojektion. Das erklärt, warum Auslöser für Schmerzen nicht immer unmittelbar gefunden werden.

Ein Beispiel dafür sind Triggerpunkte, die auf der Körpervorderseite in der Leistenregion zu finden sind, aber für Schmerzen im unteren Rückenbereich verantwortlich sein können. Handelt es sich um einen aktiven Triggerpunkt, kannst du durch Drücken auf den Triggerpunkt Schmerzen in einem entfernten Körperbereich auslösen. Das nennen wir Schmerzprojektion. Einen latenten Triggerpunkt nennen wir einen Druckschmerzpunkt, der beim triggern keine Schmerzprojektion in einem anderen Körperteil auslöst.

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03. Wie fühlen sich Triggerpunkte an?

Du kannst mit ein bisschen Feingefühl in deinen Fingerspitzen bei dir selbst am Körper Triggerpunkte ertasten. Streiche dazu unter leichtem Druck mit deinen Fingern senkrecht über deine Muskulatur, um Triggerpunkte zu finden. Triggerpunkte fühlen sich wie kleine Knötchen oder Knubbel im Gewebe an. Wenn du ein bisschen fester aufdrückst, spürst du die Knötchen eventuell deutlicher. Triggerpunkte lassen sich nicht nur mit den Händen ertasten, sondern auch mit Hilfe sogenannter TRIGGER TOOLS, aufspüren. Es gibt sie in den verschiedensten Ausführungen, aus Kunststoff oder Holz, klein oder groß, niedrig oder hoch. Allen gemein ist, dass sie den Daumen eines Therapeuten ersetzen sollen. Sie bieten dir also Hilfestellung bei der Selbstbehandlung von Triggerpunkten, an die du mit deinem Daumen selbst vielleicht gar nicht hinkommen würdest, am Rücken zum Beispiel. Außerdem ist der Einsatz von TRIGGER TOOLS als Hilfsmittel die deutlich daumenfreundlichere Variante und hilft dir Triggerpunkte zu lösen.

04. Was ist die Ursache von Triggerpunkten?

05. Wo sitzen Triggerpunkte?

Triggerpunkte können in den verschiedensten Gewebearten an den verschiedensten Stellen im Körper vorkommen. Am häufigsten betroffen ist das myofasziale Gewebe. Weiterhin finden wir lokale, druckschmerzhafte Verhärtungen im Bereich der Sehnen, Bänder, Knochen und im Unterhautbindegewebe (fascia superficialis). Die Literatur liefert aber auch fest definierte Druckschmerzpunkte, die man bei den meisten Menschen an einem bestimmten Punkt im Muskel finden kann, sie können jedoch überall dort entstehen, wo z.B. falsche Druck- und Zugbelastungen auf das Gewebe einwirken.

06. Schmerzen alle Triggerpunkte gleich stark?

Das ist nicht nur von Mensch zu Mensch sehr verschieden, sogar zwei Triggerpunkte bei ein und derselben Person können unterschiedlich starke Beschwerden verursachen. Auf der einen Seite können deutlich tastbare Triggerpunkte im Gewebe spürbar sein, gleichzeitig aber nicht die geringsten Beschwerden verursachen. Auf der anderen Seite kannst du die Verhärtung im Gewebe beim Ertasten kaum spüren, klagst aber über deutliche Schmerzen. Nicht zuletzt ist entscheidend, welche umliegenden Gewebearten vom Triggerpunkt „gequetscht“ werden. Sind Blutgefäße betroffen, kann die Blutversorgung im betreffenden Bereich behindert sein, was zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff führen kann und die Entstehung neuer, nachgelagerter Triggerpunkte begünstigt. Wenn hingegen ein Nerv durch die erhöhte Spannung im Gewebe des druckschmerzhaften Punkts in Bedrängnis gerät, können stechende Nervenschmerzen mit höchster Schmerzintensität auftreten und für den Betroffenen eine deutliche Minderung der Lebensqualität bedeuten.

07. Wann Triggerpunkte suchen?

01
Rückenschmerzen

Triggerpunkte behandeln bei Rückenschmerzen

Viele Mitteleuropäer leiden unter Rückenschmerzen. Beinahe jeder dritte Erwachsene leidet regelmäßig oder öfter an Rückenschmerzen. 85% aller Patienten erfahren keine Ursache für ihre, teils zermürbenden, Schmerzen – schlicht und ergreifend einfach weil man keine Ursache finden bzw. darstellen kann. Die Bildgebung bei Triggerpunkten mittels Ultraschalluntersuchung steckt derzeit noch in den Kinderschuhen, stellt sich aber als vielversprechend dar und kann hoffentlich bald als bildgebendes Verfahren in Praxen eingesetzt werden. Und genau dann, wenn kein ursächliches strukturelles Problem für die Schmerzen zu finden ist, lohnt es sich, wenn wir nach entsprechenden Triggerpunkten suchen. Ausbildungen rund um das Thema Triggern befassen sich mit klassischen, muskulären Druckschmerzpunkten zu den häufigsten Volksleiden und stellen die wichtigsten Anwendungsregeln, sowie Kontraindikationen, klar heraus.

02
Nackenschmerzen

Triggerpunkte behandeln bei Schulter- und Nackenschmerzen

Ebenso bei Schulter- und Nackenbeschwerden, die häufig begleitend zu Rückenschmerzen auftreten, kann sehr oft keine auslösende Ursache gefunden werden. Mit dem Triggern von Druckschmerzpunkten kann deutliche Linderung erzielet werden. Überhöhte Zugspannung in der Muskulatur (wir erinnern uns nochmal an die falsche Bezeichnung „verkürzte“ Muskulatur) führt in der Folge oft nicht nur zu Triggerpunkten, sondern erhöht in diesem Zuge gleichzeitig den Druck auf die nahen Gelenke, die dann unter erhöhten Verschleißerscheinungen leiden.

03
Knieschmerzen

Triggerpunkte behandeln bei Knieschmerzen

Nicht selten führen diese Spannungszustände und deren Folgen auch in der Knieregion zu chronischen Schmerzen. Über 50% der Deutschen geben an, regelmäßig unter Knieschmerzen zu leiden. Auch bei diesem Schmerzbild empfehlen wir, die Triggerpunktbehandlung auszuprobieren.

08. Wie werden Triggerpunkte gelöst?

Hast du nur schwer auf einen einzigen Druckschmerzpunkt einzugrenzende Schmerzen, kannst du flächig mit Druck arbeiten, indem du mit der Faszienrolle rollst, oder für ein paar Sekunden auf dem schmerzenden Gebiet verweilst. So werden Triggerpunkte auch stimuliert. Natürlich nicht so stark, wie wenn du mit kleineren Tools dein Gewebe triggerst, wie z.B. mit Bällen oder TRIGGER TOOLS, die genau für diesen punktuellen Einsatz vorgesehen sind. Alternativ zur flächigen Methode kannst du im schmerzenden Bereich nach einzelnen Triggerpunkten suchen. Lokalisieren kannst du die Triggerpunkte, indem du darauf achtest, welches Signal dir dein Körper sendet. Je stärker das Schmerzsignal, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass du einen Triggerpunkt gefunden hast. Zusätzlich kannst du mit deinen Fingern spüren und fühlen, ob sich der Punkt wie ein Knubbel oder Knötchen anfühlt. Dies spricht zusätzlich für einen Druckschmerzpunkt. Vielleicht passiert es dir sogar, dass bei Stimulation dieses Punkts eine andere Stelle deines Körpers reagiert. Das hast du bereits als Schmerzprojektion kennengelernt.

Dir bieten sich nun zwei Möglichkeiten: Entweder du setzt deinen Daumen als „Therapiegerät“ ein, so wie es Therapeuten in aller Regel tun, oder du benutzt die deutlich daumenfreundlichere Variante – das TRIGGER TOOL oder einen Faszienball z.B. den BALL 08. Mit dem Daumen hast du zusätzlich die Möglichkeit, die spürbaren Knötchen auszumassieren.

Entscheide am besten selbst, welche Art der Triggermassage dir und deinem Körper am ehesten zusagt. Beachte, dass muskulärer Schmerz, der durch zu viel Spannung im Gewebe entsteht, durch den aufgebrachten Druck im Normalfall nachlässt. Solltest du nach mehrmaliger Anwendung keine Erleichterung verspüren, bitte suche Rat bei entsprechend ausgebildetem Fachpersonal.

Triggerpunktmassage

Triggerpunkt-massage zur Linderung von Schmerzen

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