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Griffkraft: Was dein Händedruck über deine Vitalität verrät

veröffentlicht von Dr. Lutz Graumann in Regeneration am 04.03.2026
Lutz Graumann
Dr. Lutz Graumann

Dieser Artikel zeigt dir:

  • warum Griffkraft als Marker für funktionelle Gesundheit und Langlebigkeit gilt,
  • wie du deine Griffkraft korrekt misst und deinen Wert einordnest,
  • welche Normwerte nach Alter und Geschlecht Orientierung geben,
  • mit welchen Übungen du deine Griffkraft gezielt und effektiv trainieren kannst,
  • und warum die Kombination aus Griffkraft-, Core- und Faszien-Training besonders sinnvoll ist.

So bekommst du einen klaren Überblick, wie du deine Handkraft richtig bewertest und nachhaltig verbesserst – für mehr Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Vitalität im Alltag.

Griffkraft spiegelt weniger dein ‘biologisches Alter’ im Labor-Sinne – aber sehr gut dein funktionelles Alter: Wie viel körperliche Reserve du im Alltag wirklich hast. Warum die Handgreifkraft so eine wichtige Rolle für deine Gesundheit und Longevity spielt, und mit welchen Übungen du sie zuverlässig und effektiv trainieren kannst, verraten wir dir hier.

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Was ist Griffkraft – und warum ist sie wichtig?

Griffkraft ist die maximale Kraft deiner Hand- und Unterarmmuskulatur beim Zugreifen, Halten und Drücken. Sie wird mit einem speziellen Messgerät, dem Handdynamometer gemessen und in Kilogramm (kg) oder Newtonmeter (Nm) angegeben. Am Griff und somit an der Griffkraft sind vor allem die Flexoren und Extensoren deines Unterarms beteiligt, aber auch die kleinen intrinsischen Muskeln deiner Hand.

Es wird zwischen drei Arten der Griffkraft bzw. Handgreifkraft unterschieden:

  • Der Crush-Grip beschreibt das kraftvolle Zusammenpressen, etwa beim festen Händedruck.
  • Der Pinch-Grip meint das präzise Greifen mit den Fingerspitzen.
  • Der Support-Grip bezeichnet das Halten von Gewichten über längere Zeit, beispielsweise beim Tragen von Einkaufstaschen.


Wichtig ist ein standardisiertes Protokoll: gleiches Gerät, gleiche Griffweite, gleiche Armposition – sonst sind Werte schlecht vergleichbar. Praxis-Tipp: drei Versuche pro Hand, bester Wert oder Mittelwert – Hauptsache konsistent.

Die Griffkraft gilt als wichtiger Gesundheitsindikator und kann wertvolle Hinweise auf deinen körperlichen Zustand geben. Besonders im Alter, wenn die Kraft langsam nachlässt, lässt sich durch einen Test der Griffkraft leicht feststellen, wie es mit der Gesamtmuskelkraft und dem Gesundheitszustand steht.

Menschen mit niedriger Griffkraft haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, chronische Nieren- und Lebererkrankungen sowie bestimmte Krebsarten. Zudem zeigen sich häufigere Krankenhausaufenthalte, schlechtere Lebensqualität und ein erhöhtes Sterberisiko.

Die durchschnittlich höchste Griffkraft in Deutschland wird bei Frauen im Alter von 39 Jahren mit 33 Kilogramm und bei Männern im Alter von 38 Jahren mit 52 Kilogramm erreicht. Bis zum Alter von etwa 40 Jahren steigt die Griffkraft an und fällt danach konstant ab, wobei der Rückgang bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen.

Das haben Untersuchungen im Rahmen von Deutschlands größter Langzeit-Bevölkerungsstudie (NAKO Gesundheitsstudie) gezeigt. Fällt die Griffkraft unter bestimmte Grenzwerte, ist dies ein Zeichen für Sarkopenie, also altersbedingten Muskelschwund. 

 

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Griffkraft messen – So findest du deinen Wert

Das beste Messgerät für die Griffkraft ist das Handdynamometer. Es misst deine maximale isometrische Kraft in Kilogramm. Bei der Messung stehst du aufrecht, dein Ellbogen ist 90 Grad angewinkelt. Dann umfasst du das Dynamometer mit einer Hand und drückst drei bis fünf Sekunden mit maximaler Kraft zu. Dies wird dreimal mit beiden Händen wiederholt, um einen Mittelwert zu ermitteln.

Handdynamometer sind generell in physiotherapeutischen Einrichtungen verfügbar, du kannst sie aber auch im Fachhandel oder online kaufen.

Alternative Tests für Zuhause

Du kannst auch ohne Handdynamometer deine Griffkraft messen. Eine einfache Methode ist der Dead Hang, bei dem du dich an deiner Klimmzugstange festhältst und frei herunterhängst. Ein gutes Ziel ist es, 30 Sekunden durchzuhalten. Du kannst dies auch mit Hilfe einer Körperwaage ergänzen.

Damit kannst du prüfen, wie viel Gewicht du verlierst, wenn du dich nur mit Kraft deiner Hände – ohne etwa die Oberarmmuskeln zu benutzen – hochziehst.

Griffkraft-Tabelle: Durchschnittswerte nach Alter

Folgende Tabelle basiert auf Ergebnissen einer internationalen Studie zur Griffkraft mit 2,4 Millionen Datensätzen. Sie gibt dir einen Überblick darüber, welche Griffkraftwerte für dein Alter und Geschlecht als durchschnittlich gelten:

 

Altersgruppe

Männer (kg)

Frauen (kg)

20–29 Jahre

47–49

28–29

30–39 Jahre

49,7

29,7

40–49 Jahre

47–48

28–29

50–59 Jahre

44–46

26–27

60–69 Jahre

40–43

24–26

70–79 Jahre

35–38

21–23

80+ Jahre

28–32

17–20


 

Werte von weniger als 29 kg bei Männern und 18 kg bei Frauen gelten als niedrig und Zeichen für Sarkopenie.

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So kannst du deine Griffkraft trainieren

Mit den richtigen Übungen kannst du deine Griffkraft gezielt verbessern. Ob du für Sportarten wie Klettern, Tennis, bestimmte Kampfsportarten oder Turnen auf optimale Handgreifkraft angewiesen bist, oder ob du dich im Alltag sicherer fühlen willst und noch so lange wie möglich kraftvoll zugreifen willst: So kannst du deine Griffkraft trainieren!

Griffkraft-Übungen mit Geräten

  • Hand-Gripper (Crush-Grip):
  • Gripper vollständig schließen, 3 bis 5 Sek. halten, langsam öffnen
  • 3 Sätze à 8 bis 12 Wiederholungen pro Hand
  • Progression: Widerstand erhöhen (15 kg → 20 kg → 30 kg)
  • Bei Schließen ausatmen, beim Öffnen einatmen

Dead Hangs (Support-Grip):

  • An Klimmzugstange hängen, Schultern aktiv stabilisieren
  • 20 bis 60 Sekunden halten
  • Progression: Zeit erhöhen oder einarmiges Hängen
  • Trainiert zusätzlich Schultern, Lat, Core

Farmer's Walk (funktionell):

  • Schwere Gewichte (Kettlebells, Kurzhanteln) in beiden Händen halten
  • Männer: insgesamt 100 % des Körpergewichts im Farmer’s Carry (also 50 % pro Hand) für etwa 60 Sekunden (teils auch 1–2 Minuten als Ziel).
  • rauen: insgesamt 75 % des Körpergewichts (also 37,5 % pro Hand) für etwa 60 Sekunden
  • 3 bis 4 Durchgänge, 2x pro Woche
  • Griffkraft-Übungen ohne Geräte
  • Handtuchwringen:
  • Handtuch nass machen, mit beiden Händen gegenläufig auswringen
  • 30 bis 60 Sekunden, 3 Durchgänge
  • Trainiert Rotationskraft + Unterarm-Flexoren/Extensoren

Fingertip Push-ups:

  • Liegestütz auf Fingerspitzen statt flacher Hand
  • 5 bis 10 Wiederholungen, 2 bis 3 Sätze
  • Progression: Knie-Variante → volle Liegestütze
  • Vorsicht: Langsam steigern, um Fingerverletzungen zu vermeiden

Faust-Klemmen (isometrisch):

  • Faust ballen, maximale Kraft 10 bis 15 Sekunden, entspannen
  • 5 bis 8 Wiederholungen pro Hand
  • Jederzeit im Alltag möglich (z.B. am Schreibtisch)
     

Griffkraft im Alltag trainieren

Viele Alltagsaktivitäten bieten natürliche Trainingsreize für die Handgreifkraft:

  • Einkaufstaschen tragen (beide Hände belasten, statt Rucksack)
  • Schraubgläser öffnen ohne Hilfsmittel
  • Klettern/Bouldern (natürliches Griffkraft-Training)
  • Gartenarbeit (Graben, Harken, Unkraut ziehen)
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Deshalb solltest du Faszien-, Core- und Griffkraft-Training kombinieren

Griffkraft ist Teil deines zusammenhängenden Muskelapparates  – von deinem Core bis zu den Fingerspitzen. Ist dein Core zu schwach, kann das zu instabilen Schultern führen und die Kraftübertragung zu deinen Händen schwächen.

Zudem spielen deine Faszien eine wichtige Rolle dabei. Diese kollagenen Bindegewebsstrukturen umhüllen Muskeln und Sehnen und bilden von der Schulter über den Unterarm bis in die Fingerspitzen durchgehende Kraftübertragungsketten. Verklebte oder verhärtete Faszien im Unterarm schränken die Handgelenksmobilität ein und reduzieren deine Griffkraft. Verhärtungen in der Handfläche (Palmaraponeurose) können Verspannungen und Schmerzen verursachen.

Die besten Faszien-Tools für dein Griffkraft-Training

Wenn du deine Griffkraft trainieren möchtest, solltest du dies also immer in Kombination mit Core-Muskeltraining und Faszienpflege tun. Myofasziale Selbstmassage löst Verklebungen, fördert die Durchblutung und beschleunigt die Regeneration. Durch gezielten Druck werden fasziale Strukturen geschmeidiger, die Gleitfähigkeit zwischen Muskel- und Faszienschichten verbessert sich.

Ergebnisse sind mehr Beweglichkeit, bessere Kraftübertragung und präzisere Koordination beim Greifen.

BLACKROLL MINI für Unterarm-Faszien:

  • Unterarm auf MINI legen, langsam über Flexoren (Handfläche nach oben) und Extensoren (Handfläche nach unten) rollen
  • Schmerzhafte Punkte 20 bis 30 Sekunden halten
  • 1 bis 2 Minuten pro Seite, vor oder nach dem Training
  • Effekt: Löst Verklebungen im Unterarm-Kompartment, verbessert Durchblutung, erhöht Beweglichkeit für größeren Griffradius

BLACKROLL BALL 08 für Handflächen:

  • Ball in Handfläche platzieren, auf Tisch abstützen, kreisende Bewegungen mit gezieltem Druck
  • Auch zwischen Daumen und Zeigefinger rollen (Thenar-Muskulatur)
  • 1 bis 2 Minuten pro Hand
  • Effekt: Löst Verhärtungen in der Palmaraponeurose, aktiviert Mechanorezeptoren für bessere Körperwahrnehmung, entspannt die Handmuskulatur

Optimale Integration:

  • Vor dem Training: 3 bis 5 Minuten aufwärmen (Faszien vorbereiten, bessere Kraftentfaltung)
  • Nach dem Training: 5 bis 7 Minuten ausrollen (beschleunigte Regeneration, Überlastungs-Prophylaxe)
  • Bei Schreibtischarbeit: Faszienball oder -rolle zwischendurch gegen Verspannungen anwenden

Mehr Griffkraft. Weniger Verspannung.

weitere Faszientools

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Fazit: Trainiere deine Griffkraft für ein längeres, gesünderes Leben

Deine Hände sind deine wichtigsten Werkzeuge – je länger du sie kraftvoll und gesund einsetzen kannst, desto höher ist deine Lebensqualität und geringer dein Risiko für altersbedingte Leiden. Daher ist es sehr sinnvoll, regelmäßiges Griffkraft-Training in den Alltag zu integrieren. Gezielte Übungen können deine Griffkraft in jedem Alter verbessern, vor allem, wenn du sie in Kombination mit Core-Training und Faszienpflege durchführst.

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FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Griffkraft

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Griffkraft

Quellen

[1] Vaishya, R., Misra, A., Vaish, A., Ursino, N., & D'Ambrosi, R. (2024). Hand grip strength as a proposed new vital sign of health: A narrative review of evidences. Journal of Health and Population Nutrition, 43(1), 7. https://doi.org/10.1186/s41043-024-00500-y


 

[2] Huemer, M.-T., Kluttig, A., Fischer, B., Ahrens, W., Castell, S., Ebert, N., Gastell, S., Jöckel, K.-H., Kaaks, R., Karch, A., Keil, T., Kemmling, Y., Krist, L., Leitzmann, M., Lieb, W., Meinke-Franze, C., Michels, K. B., Mikolajczyk, R., Moreno Velásquez, I., ... Thorand, B. (2023). Grip strength values and cut-off points based on over 200,000 adults of the German National Cohort – a comparison to the EWGSOP2 cut-off points. Age and Ageing, 52(1), afac324. https://doi.org/10.1093/ageing/afac324


 

[3] Tomkinson, G. R., Lang, J. J., Rubín, L., McGrath, R., Gower, B., Boyle, T., Klug, M. G., Mayhew, A. J., Blake, H. T., Ortega, F. B., Cadenas-Sanchez, C., Magnussen, C. G., Fraser, B. J., Kidokoro, T., Liu, Y., Christensen, K., Leong, D. P., Aadahl, M., Abdin, E., ... Yu, R. (2025). International norms for adult handgrip strength: A systematic review of data on 2.4 million adults aged 20 to 100+ years from 69 countries and regions. Journal of Sport and Health Science, 14, 101014. https://doi.org/10.1016/j.jshs.2024.101014