
Spannungskopfschmerzen: Ursachen, Symptome & was wirklich hilft

Spannungskopfschmerzen sind mit einer Lebenszeitprävalenz von rund 78 % die häufigste Kopfschmerzform weltweit. Typisch sind beidseitige, dumpf-drückende Schmerzen, die sich wie ein Band um den Kopf legen. Auch wenn sie medizinisch meist harmlos sind, können sie Konzentration, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Im Gegensatz zur Migräne sind Spannungskopfschmerzen nicht pulsierend, gehen selten mit Übelkeit einher und verschlimmern sich in der Regel nicht durch Bewegung. Dieser Artikel zeigt dir, woran du Spannungskopfschmerzen erkennst, welche Ursachen dahinterstecken und was wirklich hilft – evidenzbasiert und alltagstauglich.
Medizinischer Hinweis: Die Einordnung, Ursachen und Behandlung von Spannungskopfschmerzen in diesem Artikel basieren auf der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) sowie auf aktuellen Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Spannungskopfschmerzen: Die häufigsten Ursachen
Spannungskopfschmerzen entstehen meist nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Besonders häufig sind muskuläre, schlafbezogene und stressbedingte Auslöser. Die folgenden Ursachen gelten als die wichtigsten Trigger.
Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich
Kurzfassung: Muskelverspannungen gelten als häufigste Ursache von Spannungskopfschmerzen und betreffen den Großteil der Betroffenen.
Studien zeigen, dass insbesondere eine erhöhte Muskelspannung im Nacken-, Schulter- und Kopfbereich eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Spannungskopfschmerzen spielt.
Vor allem Verspannungen im Bereich von Nacken, Schultern, Hinterkopf und Kaumuskulatur stehen in engem Zusammenhang mit Spannungskopfschmerzen. Sie entstehen häufig durch langes Sitzen, wenig Bewegung und eine dauerhaft ungünstige Körperhaltung, etwa bei Bildschirmarbeit.
- lange statische Sitzpositionen
- nach vorne geneigte Kopfhaltung
- einseitige Belastungen von Nacken und Schultern
- Zähneknirschen oder Kieferpressen (Bruxismus)
Die anhaltende Muskelspannung erhöht die Schmerzempfindlichkeit und kann einen Kreislauf aus Schmerz und weiterer Anspannung auslösen.
Schlafmangel und schlechte Schlafqualität
Kurzfassung: Schlafmangel, sprich zu wenig oder nicht erholsamer Schlaf senkt die Schmerzschwelle und begünstigt Spannungskopfschmerzen deutlich.
Schlaf ist ein zentraler Regenerationsfaktor für das Nervensystem. Kommt es über mehrere Nächte zu verkürzten Tiefschlafphasen oder häufigem nächtlichem Erwachen, steigt die Schmerzempfindlichkeit messbar an.
- weniger als 6 Stunden Schlaf pro Nacht
- häufiges nächtliches Aufwachen
- ungünstige Schlafpositionen mit Nackenbelastung
- ungeeignete Matratze oder falsches Kissen
Bereits kurze Phasen mit stark reduziertem Schlaf können Spannungskopfschmerzen begünstigen, insbesondere in Kombination mit Stress oder muskulären Verspannungen.
Stress und psychische Belastung
Kurzfassung: Dauerstress führt zu unbewusster Muskelanspannung und erhöht das Risiko für Kopfschmerzen durch Stress.
Psychischer Stress, emotionale Anspannung oder anhaltende innere Unruhe wirken sich direkt auf den Muskeltonus aus. Viele Menschen verspannen in belastenden Situationen unbewusst den Nacken-, Schulter- oder Kieferbereich.
- beruflicher oder privater Dauerstress
- emotionale Belastungen
- fehlende Erholungsphasen
- mangelnde Stressbewältigungsstrategien
Stress wirkt dabei nicht nur als Auslöser, sondern auch als Verstärker bestehender Kopfschmerzen. Effektives Stressmanagement und gezielte Entspannungstechniken können helfen Spannungskopfschmerzen durch Stress vorzubeugen.
Ernährung und Flüssigkeitsmangel
Kurzfassung: Dehydration und unregelmäßige Mahlzeiten können Spannungskopfschmerzen innerhalb weniger Stunden auslösen.
Ein zu niedriger Flüssigkeitshaushalt oder starke Blutzuckerschwankungen beeinträchtigen die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gehirns. Das kann Kopfschmerzen begünstigen oder verstärken.
- zu geringe Flüssigkeitszufuhr
- lange Essenspausen
- stark schwankender Blutzuckerspiegel
- mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichendes Trinken sind einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen.

Spannungskopfschmerzen behandeln: Was hilft wirklich?
Die Behandlung von Spannungskopfschmerzen richtet sich nach Häufigkeit, Intensität und Verlauf der Beschwerden.
Grundsätzlich gilt: Nicht-medikamentöse Maßnahmen stehen an erster Stelle. Medikamente kommen vor allem bei stärkeren oder häufig wiederkehrenden Schmerzen zum Einsatz.
Leitlinien empfehlen bei Spannungskopfschmerzen primär nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Bewegung, Entspannung und Stressabbau, da diese langfristig wirksam sind und das Risiko medikamenteninduzierter Kopfschmerzen vermeiden.
Sofortmaßnahmen bei akuten Spannungskopfschmerzen
Kurzfassung: Diese Maßnahmen können akute Spannungskopfschmerzen innerhalb von 15 bis 30 Minuten lindern.
Bei plötzlich auftretenden Spannungskopfschmerzen helfen vor allem Methoden, die Muskelspannung reduzieren und das Nervensystem beruhigen.
- Wärme- oder Kältetherapie: Wärme im Nackenbereich kann verspannte Muskulatur entspannen, Kälte auf Stirn oder Schläfen wirkt schmerzlindernd. Probiere aus, was dir besser hilft.
- Akupressur: Sanfter Druck auf Schläfen, Nackenansatz oder Kaumuskulatur kann Spannungen lösen.
- Pfefferminzöl: Auf Schläfen und Nacken aufgetragen erzeugt es einen kühlenden Effekt und kann Schmerzen lindern.
- Ruhige Atmung: Atemübungen gegen Stress, z.B. Tiefe, langsame Atemzüge helfen, das Stressniveau zu senken und Muskelanspannung zu reduzieren.
- Selbstmassge zum Stressabbau
Diese Maßnahmen eignen sich besonders, wenn du Schmerzmittel vermeiden oder ergänzend einsetzen möchtest.
Prävention und Lebensstil
Kurzfassung: Regelmäßige Bewegung, Stressmanagement und guter Schlaf können die Häufigkeit von Spannungskopfschmerzen deutlich reduzieren.
Wer regelmäßig unter Spannungskopfschmerzen leidet, profitiert besonders von präventiven Maßnahmen. Sie setzen an den häufigsten Ursachen an und wirken langfristig.
- Regelmäßige Bewegung: Ausdauersport fördert die Durchblutung und beugt muskulären Dysbalancen vor.
- Gezielte Nacken- und Schulterübungen: Sanfte Dehn- und Mobilisationsübungen lösen Verspannungen und verbessern die Beweglichkeit.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Bildschirm auf Augenhöhe, regelmäßige Positionswechsel und Pausen entlasten Nacken und Schultern.
- Stressmanagement: Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation helfen, Stressreaktionen zu reduzieren.
- Schlafhygiene: Feste Schlafzeiten, eine entspannte Abendroutine und eine ergonomische Schlafumgebung unterstützen die nächtliche Regeneration.
Prävention ist der wirksamste Ansatz, um Spannungskopfschmerzen dauerhaft in den Griff zu bekommen.
Medikamentöse Behandlung
Kurzfassung: Schmerzmittel können bei starken Beschwerden helfen, sollten aber nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden.
Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen oder die Schmerzen stark sind, können rezeptfreie Schmerzmittel kurzfristig eingesetzt werden.
- Ibuprofen
- Paracetamol
- Acetylsalicylsäure (ASS)
- Diclofenac
Fachgesellschaften empfehlen, Schmerzmittel bei Kopfschmerzen nicht an mehr als 10 Tagen pro Monat einzunehmen, um chronische Verläufe zu vermeiden.
Bei chronischen Spannungskopfschmerzen können in bestimmten Fällen auch vorbeugende Medikamente, wie niedrig dosierte Antidepressiva, eingesetzt werden. Eine solche Therapie sollte immer ärztlich begleitet werden.

Spannungskopfschmerzen oder Migräne? Die wichtigsten Unterschiede
Viele Betroffene sind unsicher, ob sie unter Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden. Obwohl sich beide Kopfschmerzformen ähneln können, unterscheiden sie sich in Ursache, Schmerzcharakter und Begleitsymptomen deutlich.
Typische Merkmale von Spannungskopfschmerzen
- beidseitiger, dumpf-drückender oder ziehender Schmerz
- Gefühl eines engen Bands oder „Schraubstocks“ um den Kopf
- leichte bis moderate Schmerzintensität
- keine oder nur geringe Begleitsymptome
- Bewegung verschlechtert die Schmerzen in der Regel nicht
Typische Merkmale einer Migräne
- meist einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
- mittlere bis starke Schmerzintensität
- häufig Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- körperliche Aktivität verstärkt die Beschwerden
- oft Rückzug und Ruhebedürfnis während der Attacke

Chronische oder episodische Spannungskopfschmerzen?
Spannungskopfschmerzen werden je nach Häufigkeit und Dauer in eine episodische und eine chronische Form eingeteilt. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie Einfluss auf die Behandlung hat.
Episodische Spannungskopfschmerzen
Kurzfassung: Die episodische Form ist die häufigste Variante und tritt nur an einzelnen Tagen im Monat auf.
Von episodischen Spannungskopfschmerzen spricht man, wenn die Beschwerden innerhalb von drei Monaten an weniger als 15 Tagen pro Monat auftreten. Die Schmerzen können zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen anhalten, klingen aber in der Regel wieder vollständig ab.
Diese Form spricht meist sehr gut auf nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Bewegung, Entspannung und Stressreduktion an.
Chronische Spannungskopfschmerzen
Kurzfassung: Von einer chronischen Form spricht man, wenn Spannungskopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehrere Monate auftreten.
Chronische Spannungskopfschmerzen entwickeln sich häufig schleichend und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Schmerzen halten oft über viele Stunden an oder sind nahezu dauerhaft vorhanden.
Neben konsequenter Prävention können bei chronischen Verläufen auch medikamentöse Langzeittherapien notwendig sein. Diese sollten immer ärztlich begleitet werden, um Nebenwirkungen und medikamenteninduzierte Kopfschmerzen zu vermeiden.

Spannungskopfschmerzen: Hausmittel
Hausmittel können bei leichten bis moderaten Spannungskopfschmerzen eine sinnvolle Ergänzung zur Behandlung sein. Sie wirken vor allem entspannend, durchblutungsfördernd oder schmerzlindernd und eignen sich besonders für den Akutfall oder zur Vorbeugung.
Pfefferminzöl
Kurzfassung: Pfefferminzöl wirkt kühlend, durchblutungsfördernd und kann Spannungsschmerzen spürbar lindern.
Trage wenige Tropfen Pfefferminzöl auf Schläfen, Stirn oder Nacken auf und massiere es sanft ein. Der kühlende Effekt kann das Schmerzempfinden reduzieren und verspannte Muskulatur entspannen.
Hinweis: Nicht in Augennähe auftragen und bei empfindlicher Haut vorher testen.
Koffein
Kurzfassung: Koffein kann die schmerzlindernde Wirkung verstärken – in moderaten Mengen.
Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Tee können bei Spannungskopfschmerzen hilfreich sein, da sie die Blutgefäße verengen und schmerzlindernde Botenstoffe freisetzen.
Wichtig ist ein maßvoller Konsum. Zu viel Koffein oder ein plötzlicher Entzug kann Kopfschmerzen verstärken oder selbst auslösen.
Wärme- und Kältetherapie
Kurzfassung: Wärme entspannt Muskeln, Kälte wirkt schmerzdämpfend – entscheidend ist, was dir guttut.
Ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche im Nacken kann verspannte Muskeln lockern. Alternativ kann eine kalte Kompresse auf Stirn oder Schläfen schmerzlindernd wirken.
Probiere beide Varianten der Thermotherapie aus und nutze die Methode, die dir subjektiv die beste Erleichterung bringt.
Magnesium
Kurzfassung: Magnesium unterstützt die Muskelentspannung und kann Spannungskopfschmerzen vorbeugen.
Ein Magnesiummangel kann Muskelverspannungen begünstigen und das Schmerzempfinden erhöhen. Eine ausreichende Zufuhr über die Ernährung oder – bei Bedarf – über Nahrungsergänzungsmittel kann hilfreich sein.
Magnesiumreiche Lebensmittel sind unter anderem Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und grünes Gemüse.
Bewegung und frische Luft
Kurzfassung: Leichte Bewegung fördert die Durchblutung und löst muskuläre Spannungen.
Ein kurzer Spaziergang, sanfte Dehnübungen oder lockere Mobilisation von Nacken und Schultern können akute Spannungskopfschmerzen lindern und wirken oft schneller als völlige Ruhe.
Wichtig: Hausmittel ersetzen keine medizinische Abklärung. Halten Spannungskopfschmerzen häufig an, verschlimmern sich oder treten neu und ungewohnt auf, solltest du ärztlichen Rat einholen.

Fazit
Fazit
Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form von Kopfschmerzen und äußern sich typischerweise durch beidseitige, dumpf-drückende Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich. Sie entstehen meist durch eine Kombination aus Muskelverspannungen, Stress, Schlafmangel und ungünstigen Alltagsgewohnheiten.
In den meisten Fällen lassen sich Spannungskopfschmerzen wirksam mit nicht-medikamentösen Maßnahmen behandeln. Regelmäßige Bewegung, gezielte Entspannungsübungen, ausreichend Schlaf und Stressmanagement spielen dabei die wichtigste Rolle. Medikamente sollten nur kurzfristig und gezielt eingesetzt werden.
Halten die Beschwerden über längere Zeit an oder treten sie sehr häufig auf, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, um chronische Verläufe oder andere Kopfschmerzformen auszuschließen und eine passende Therapie einzuleiten.
Häufige Fragen zu Spannungskopfschmerzen
Quellen & wissenschaftliche Grundlagen
- International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3).
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Leitlinie Spannungskopfschmerz – Diagnostik und Therapie.
- Bendtsen L. et al. Muscle tenderness and pain mechanisms in tension-type headache. Pain.
- Jensen R., Stovner L.J. Epidemiology and comorbidity of headache. The Lancet Neurology.
- Lardon A. et al. Exercise as prophylactic treatment for tension-type headache. Cochrane Database of Systematic Reviews.
- Rains J.C. Sleep and headache. Current Neurology and Neuroscience Reports.
- Göbel H. et al. Effectiveness of peppermint oil in tension-type headache. Cephalalgia.
- Bendtsen L. et al. EFNS guideline on the treatment of tension-type headache. European Journal of Neurology.













